Colonialwaren „Das Haus zu den Drei Mohren“

Inhaltsverzeichnis

Die Geschichte vor 1671

Das 19. Jahrhundert

Ab dem 19. Jahrhundert

Quellennachweise

Bild aus Heimatkalender 2002
Der heutige ehemalige Standort, Foto: T. Glatzer, Lichtblick Cottbus e. V.

Die Geschichte vor 1671

Das Haus in der damaligen Klosterstraße mit der Nummer 66, welches “Das Haus zu den drei Mohren“ genannt wurde, befand sich auf einem Grundstück innerhalb der Stadtmauer. Solche Grundstücke wurden nach dem Grundgesetz der freien Erbzinsleihe hauptsächlich von Adelspersonen bewohnt.
Auf Grund dieser besonderen Lage ist davon auszugehen, dass dieses Haus einmal ein Freihaus gewesen ist. Im mittelalterlichen Cottbus waren schon Jahrhunderte vor dem großen Brand im Jahre 1671 derartige Häuser vorhanden. Da es in dieser Zeit noch keine Hausnummern gab, wurde an den Häusern von Adelspersonen ein Wappen angebracht, welches Rückschlüsse auf seine Bewohner gab.

Wappensiegel von 1378 und 1509 4
Wappen des Rittergeschlechts von Seydewitz 5
Wappen mit Mohrin des Rittergeschlechts von Löben 5

Die Kenntlichmachung von Häusern und ihrer Besitzer mit Wappen und anderer Zeichen war auch in Cottbus üblich. Gasthöfe mit Übernachtungsmöglichkeit, die im Anschlagbuch der Stadt verzeichnet sind, hatten nicht nur einen besonderen Namen, wie zum Beispiel Schwarzer Bär, Gelber Löwe, Schwarzer Adler, Brauner Hirsch und vieles mehr, sondern auch ein Schild vor ihren Höfen hängen. Auf diesem Schild war das entsprechende Tier dargestellt und zeigte somit welchem Gasthof man sich näherte. Kunstvoll geschmiedete Schilder machten auf Handwerkerhäuser aufmerksam und gaben so im Voraus Auskunft über die Art der erhältlichen Produkte.
Diese plakativen Schilder dienten auf diesem Weg auch als Wegweiser. Die des Lesens unkundigen Besucher der Stadt hatten dadurch die Möglichkeit, ihr Ziel leichter zu finden sowie Verwechslungen zu vermeiden. Diese Schilder gaben außerdem Auskunft darüber, wer in welchen Häusern wohnte. So ist davon auszugehen, dass in der Klosterstraße das Wappen seines Besitzers angebracht war: ein Wappenschild mit drei Mohrenköpfen, welches einer Adelsperson gehörte, die möglicherweise eine engere Beziehung zu den Burgherren und zum Kloster führte.
Da sich im Wappen der Ritter aus dem Geschlecht derer von Seydewitz – ein Adelsgeschlecht von der mittleren Elbe – drei Mohrenköpfe befanden, kann man davon auszugehen, dass sie die Hausbesitzer des Hauses in der Klosterstraße waren. Auf einen Siegel an einer 1378 ausgestellten Verkaufsurkunde findet sich die älteste Darstellung dieser Art. Dem Ritter Kune von Sydewicz, welcher auch Kunz des von Kotbus Manne genannt wurde, gehörte dieses Siegel. Das zweite Wappensiegel, welches ebenfalls drei Mohren aufwies, gehörte dem Ritter “Kune von Sydewicz zu Plote“. Er besiegelte mit diesem im Jahr 1509 einen Zinsverkauf für Kloster Mühlberg an der Elbe. Es waren in beiden Wappenschildern zwei Mohrenköpfe oben und ein Mohrenkopf unten angeordnet. Aus früheren Aufzeichnungen konnte man ermitteln, dass der Mohr in der Heradik verschiedener Rittergeschlechter zu finden war. Die Spuren der Herren mit dem sagenumwobenen Wappen verlieren sich jedoch nach dem Verkauf der Herrschaft von Cottbus.

Historische Tatsache ist aber, dass in der Nacht zum 21. März 1671 wiederholt in der Stadtmühle ein Brand ausbrach. Ein heftiger Südostwind trieb die Funken auf die leicht entzündbaren Baustoffe der Häuser. Da die meisten Häuser aus Holz bestanden sowie mit Holzschindeln und Stroh gedeckt waren, boten sie dem Funkenflug reichlich Nahrung. Die Predigerhäuser sowie die Häuser am Mühlentor wurden sehr schnell durch die Flammen zerstört. In kürzester Zeit standen die benachbarte Vordermühle, die Schneide-, Walk- und Lohmühle, die Färber- und Gerberhäuser am Mühlengraben, die Amtskastnerey, die Schlossställe und viele andere in Flammen. Der Wind trieb das Feuer über die Stadtmauer hinweg bis hin zur Brunschwiger Vorstadt. An Löscharbeiten war angesichts dieses Infernos nicht mehr zu denken, so dass die ganze Stadt in sehr kurzer Zeit in Asche gelegt war. Darunter fiel auch die Klosterkirche und das Rathaus; diese brannten mit allen Urkunden bis auf den Grund nieder. Erst am Nachmittag zwischen 14 und 15 Uhr soll das Feuer an dem besagten Haus in der Klosterstraße zum Stillstand gekommen sein.
Bis dahin fielen 307 Häuser, davon 93 Brauhäuser und 214 Wohnhäuser den Flammen zum Opfer. Es außerdem waren vier Menschenleben zu beklagen: die Tochter des Herren Inspectoris Jungfer, die Köchin des Rectoris der Schule, des Walkers Knabe sowie ein Tagelöhner. Cottbus wurde in den Jahren 1671, 1672 und 1674 von Bränden heimgesucht, von denen der Brand im Jahre 1671 der verheerendste war. Manche Bewohner waren gänzlich verarmt und verließen die Stadt. Jeweils am Montag nach Reminiscere wurde durch einen Buß- und Bettag mit 3 öffentlichen Predigten höchst feierlich an diese unglücklichen Zeiten gedacht.

Aus welchem Grund das Feuer wundersamer Weise gerade vor diesem Haus erstickte, dazu verbreitete sich noch am selben Tag folgendes Gerücht: “Der Heilige Mauritius hat das Wunder vollbracht, denn der 21. ist der Tag seines Martyriums“. Das war für die (damals abergläubigen) Cottbuser einleuchtend, da sie wussten, dass Mauritius von schwarzer Hautfarbe war und lieber den Tod wählte als vom christlichen Glauben abzurücken. Er war an höchsten Stellen sehr anerkannt. Reliquien des Heiligen Mauritius wurden durch den Kaiser Otto I. bereits im Jahre 973 dem Magdeburger Erzbischof geschenkt. Daraufhin haben die Domherren den Mohren zum Schutzpatron des Hochstiftes und der Ostkolonisation erklärt. Gleichzeitig stellten sich Gewerke und Innungen unter seinen Schutz; in Cottbus waren es die Hutmacher, Tuchweber und Tuchwalker sowie die Färber.

Nach diesem verheerenden Brand ordnete der Große Kurfürst an, Gebäude nur noch aus Ziegelsteinen und ohne Schilfbedachung zu bauen. Da bereits am 24./25. Dezember 1619 von dieser Mühle ein Brand ausbrach, wurde der Müller beschuldigt durch Fahrlässigkeit die Brände verursacht zu haben und aus seiner Stellung entlassen.

Es wird vermutet, dass nach dem Brand an diesem Haus in der Klosterstraße drei aus Lindenholz geschnitzte Köpfe angebracht wurden. Es heißt, dass die Mohrenköpfe aus Dankbarkeit  an diesem Haus angebracht wurden und an die verrußten Feuerlöschmänner erinnern sollten. Im Jahr 1671 war ein gewisser Hans Krüger der Besitzer des Hauses. Nachfolgend bewohnte der seit 1716 in Cottbus angestellte Hospitalprediger Ehrenfried Borscher bis zu seinem Tod im Jahre 1743 dieses Haus. Spätere Besitzer waren Ratsherren, Kaufleute und Tuchfabrikanten. Es ist aber bis heute nicht bekannt, wer von den Besitzern beziehungsweise Bewohnern die aus Lindenholz geschnitzten Köpfe anbringen ließ.

Mohrenkopf – zu besichtigen im Stadtmuseum Cottbus [2]
Mohrenköpfe – zu besichtigen im Stadtmuseum [3]

Das 19. Jahrhundert

Das Haus zu den drei Mohren befand sich unmittelbar in der Nähe der Klosterkirche, genau gegenüber den “Würzburger Bierstuben“ (die Cottbusern nannten es auch „Klosterstübel“). Drei Mohrenköpfe waren zwischen oberer Fensterreihe und Dach anstelle einer Hausnummer angebracht. Auffällig war, dass sie in der Darstellung eindeutige Gesichtszüge afrikanischer Menschen trugen und gar nicht an rauchverschmutzte Bewohner der Stadt erinnern, was den oben genannten Gerüchten widerspricht. Es kann ein Hauszeichen gewesen sein oder es waren einst Mohren zu Besuch. Dieses konnte bis heute nicht geklärt werden.

Ab dem 19. Jahrhundert

Anfang des 20. Jahrhunderts bis zum Ende des 1. Weltkrieges gehörte das Haus den Großeltern des Cottbuser Bürgers Peter Pflanz. Seine Großmutter, mit Vornamen Martha, betrieb den Laden mit Kolonialwaren. *1 Das junge Paar wollte damit ihr Glück versuchen, was aber nicht lange währte. Der Großvater, welcher von Beruf Elektromonteur war, verunglückte im Jahr 1914 tödlich. Da es im ersten Weltkrieg um Kolonialwaren nicht zum Besten stand, verkaufte die Großmutter von Peter Pflanz das Haus und den Laden wieder.

 


*1 Sind zur Kolonialzeit überseeische Lebens- und Genussmittel, wie z. B. Kaffee, Kakao, Tabak, Zucker, Reis


Wie Walter Drangosch 1956 schrieb, ist die Herkunft immer noch nicht erwiesen. Aber vier Jahrzehnte nach dieser Auskunft gibt es eine modernere Erklärung dafür. “Es sind drei von Rauch, Ruß und Schweiß geschwärzte Gesichter, von drei unbekannten Wehrleuten, die stellvertretend für alle mutigen Bekämpfer des Stadtbrandes von 1671 am Haus in der Klosterkirche angebracht wurden“. Daraufhin soll das Haus erst nach dem Stadtbrand 1671 seinen Beinamen „Zu den drei Mohren“ oder „Zu den drei Mohrenköpfen“ erhalten haben.


 

Quellennachweise

[1] Aus Wochenkurier, Nr. 14, 1. 4. 2016, Artikel Cottbuser Geschichten „Der große Stadtbrand von 1671“

[2] Aus Wochenkurier, Nr. 14, 1. 4. 2016, Artikel Cottbuser Geschichten „Der große Stadtbrand von 1671“

[3] Cottbuser Heimatkalender 2002, Seite 86

[4] Cottbuser Heimatkalender 2002, Seite 87

[5] Cottbuser Heimatkalender 2002, Seite 88

Geschichte der Stadt Cottbus – Autorengemeinschaft – Cottbuser Heimatkalender 2002

Urbarium nebst einigen historischen Nachrichten von der Stadt Cottbus, von Johann-Friedrich-Beuch

Geschichte der Stadt Cottbus

 

Bearbeitungsstand 4/2020 H. Ibel, Überarbeitung 6/2020 O. Arnold, Lichtblick Cottbus e. V.