Hotel- und Gaststättengewerbe Cottbus

Der Betrieb einer Gastwirtschaft im heutigen Sinne war im Altertum noch völlig unbekannt, da es weder Häuser noch Anstalten zur Beherbergung Reisender gab.

Adam Elsheimer –  Gastfreundschaft, Jupiter und Merkur im Haus von Philemon und Baucis, entstanden 1607/08

Diese wurden genötigt in fremden Häusern Obdach zu finden, welches ihnen aber auch nicht sehr schwer gemacht wurde. Die Tugend der Gastlichkeit, durch Religion und Sitte, war unter den Völkern des Altertums weit verbreitet. Jeder Einkehrende wurden mit Freundlichkeit und Güte behandelt, so wurde er zum Beispiel gebadet, umgekleidet, bewirtet und man erfreute sich an seinen Erzählungen. Erst nach mehreren Tagen fragte man den Reisenden nach Namen und Heimat. Oft kam es auch vor, dass dem Scheidenden noch ein Gastgeschenk mit auf dem Weg gegeben wurde.

Mit dem Verfall der Einfachheit der Sitten und der Entwicklung des bürgerlichen Lebens verschwand bei den Griechen und Römern die schöne Sitte der Gastfreundschaft. Bei den alten Germanen fand die Gastlichkeit dieselbe Pflege in den alten Dörfern.

Ganz anders war es im Mittelalter mit der Gastfreundlichkeit. Diese wurde zumeist in Klöstern ausgeübt, wo selbst Kaiser es nicht verschmähten, sich an reich gedeckte Klostertische zu setzen. Von Kaiser Karl dem IV. (1347-1378), der als Landesherr das Brandenburger Land bereiste, wird erzählt, dass er im Kloster Lehnin (Landkreis Potsdam-Mittelmark) einkehrte, wo ihm der Klosterkoch Kagelwid eine Erbsensuppe mit Schweinsohren vorsetzte, welche der Koch kurz zuvor den im Kloster lebendenden Schweinen abgeschnitten hatte.

Eine Schankstube mit Garten um 1519

Mit dem steigenden Verkehr entwickelte sich auch in Cottbus das Herbergs- und Gastwirtschaftswesen. Im Mittelalter war unsere Stadt ein Knotenpunkt der Handelsstraßen und auf diesen rollten die Frachtwagen zu den Toren herein und Handelsleute, sowie Fuhrmänner wollten hier ein Obdach finden. Während der Kaufmann bei seinem Geschäftsfreund abstieg, wurde der Frachtfuhrmann von den Herbergen aufgenommen. Der reisende Handwerksbursche fand in den Zunftherbergen, die gewöhnlich ein Zunftmeister unterhielt, Verpflegung und ein Dach über dem Kopf.

Ob es schon im 16. Jahrhundert besondere Gasthäuser mit voller Verpflegung für Mensch und Tier gab, lässt sich anhand des vorhandenen Aktenmaterials nur schwer nachvollziehen.

Bei dem Besuch von Kaiser Maximilian II. am 1. Januar 1564 musste dessen Gefolge, da das Schloss nicht genügend Platz hergab, zum Teil bei den Bürgern untergebracht werden. Der sächsische Kurfürst, der den Kaiser hier treffen und sprechen wollte, fand kein Logis in der Stadt.

 

(…) Buchauszug:

„…1579 fand in Cottbus die erste Kirchenvisitation statt, dazu erschienen mehrere Herren aus Frankfurt a. O. und Küstrin. Die Revisoren wurden mit ihren Dienern und Pferden vom Handelsherrn Albinus Greifenhagen vom 17. bis 23. März beherbergt und verpflegt.

Dieser berechnete:

  • für Essen und Frühstück                   31 Taler und 4 Groschen
  • für Rauchfutter, Stroh und Heu             1 Taler und 20 Groschen
  • für Cottbuser Bier                         5 Taler und 12 Groschen
  • für Wein                                               15 Groschen
  • für Licht                                              12 Groschen
  • für Holz zum Erwärmen der Stuben                        2 Taler

Außerdem erhielt Lorentz der Stadtschenk aus dem Ratskeller noch 31 Taler, 22 Groschen und 8 Pfennige für Wein, sowie Lukas Richter 6 Taler für 2 Viertel für Bier aus Ortrand…“

Dokument/Buchauszug: Rechnung

Diese alte Rechnung zeigt, dass begüterte Bürger, die über die nötigen Räume und Lebensmittel für Pferd und Mensch verfügten, die Geschäfte des Gastwirtes besorgten.

Die erste urkundliche Erwähnung des Cottbuser Bieres stammt aus dem 14. Jahrhundert. In dieser Urkunde wird mitgeteilt, dass Albrecht Chron, Erzpriester von Cottbus, 1385 in Beeskow einen Streit zwischen dem Probst Buchholz und dem Abt Wynyngen zu Neuzelle schlichtete. Dabei wurde dem Beeskower Probst das Recht zugestanden, Bier für den Eigenbedarf zu brauen, so wie es die Pfarrer zu Cottbus, Sorau und anderen Städten der Niederlausitz durften. Die Braugerechtigkeit des Cottbuser Erzpriesters brachte der gesamten Bürgerschaft die Brauberechtigung. Leider sind diese Urkunde, wie auch viele andere wichtige Dokumente dieser Zeit bei diversen Stadtbränden 1468, 1600 und 1671 den Flammen zum Opfer gefallen. Daher wissen wir nicht genau, was dieses Vorrecht bedeutete.

Die Zunft der Braukunst

Es ist anzunehmen, dass Cottbus mit dem Stadtrecht (12. Jahrhundert) auch das Braurecht erwarb. Wer im Besitz des Bürgerrechts war durfte in der Stadt Bier brauen. Aus diesen Bürgern setzte sich die Brauerzunft zusammen, die die Stadt mit Bier versorgte. Ihr Schutzpatron war Gambrinus, der durch mittelalterliche Sagen als Fabelfigur des flandrischen Königs als Biererfinder und Bierkönig galt.

Die Produktion im 15. Jahrhundert war so hoch, dass man Cottbuser Bier auch „ausführen“ durfte. So geben Görlitzer Ratsrechnungen von 1409 auch Auskunft darüber, dass dort Cottbuser Bier ausgeschenkt wurde. Am Anfang des 15. Jahrhunderts erlebte Cottbus einen deutlichen Aufschwung im Brauwesen und daher ist es nicht verwunderlich, dass das Cottbuser Bier eine Qualität erreichte, die den Export erlaubte. Somit war Cottbus und sein Bier nicht nur in unserer Region bekannt, sondern auch über die Stadtgrenzen hinaus. Ebenso wichtig für die Stadt war das sogenannte Meilenrecht, welches unter anderem den Ausschank und das Brauen fremden Bieres und Branntweines im Umkreis einer Meile der Stadt verbot. Getrunken wurde also nur Bier der Cottbuser Brauer.

(…) Urkundentext:

In der Urkunde heißt es: „ Uff Eygen bewilligung unser Erbar manschafft von wegen der auff dem lande unser herschaft Cotbus und den auß dem Rathe daselbs von gemeiner Stadt wegen, wollen wir das nymands und sunderlich kain Cruger under einer meylen von Cotbus kann byr brawen, auch kain bir anders denn Cotbus bir schenken, es hatte dann ymands von der herschafft sunderliche beweißliche und verschribene begnadung.“

(Dokument/Urkunde der Herrschaft v. Cottbus, welche am 28. November 1501 durch den Kurfürst Joachim I. und seinem Bruder Albrecht erneut bestätigt wurde).

Gleichzeitig bestätigte der Kurfürst mit der Erneuerung des Meilenrechts auch den Bierzwang. Dieses Vorrecht begünstigte die Cottbuser Brauherren und das Braugewerbe und führte zu einem beträchtlichen Aufschwung dieses Gewerbes.

Im 16. Jahrhundert erhielt der Rat der Stadt Cottbus die Schankgerechtigkeit für fremde Biere und Weine bestätigt.

Eine Schankstube im Mittelalter

(…) In der Polizeiordnung von 1540  heißt es: „ Es soll aber den Rähten in den Städten freistehen, mit allerlei fremden Bier und Wein den Stadtkeller zu versehen“.

Dieses Privileg besaß der Rat der Stadt vermutlich schon seit dem 14. Jahrhundert und hat es in der Folge nicht aus den Händen gegeben. Nur der Landesherr durfte den Ausschank von fremden Bier und Wein auf einzelne Personen übertragen.

Neben dem Ratskeller gab es in Cottbus auch öffentliche Trinkstuben. An Gelegenheit zum Trinken fehlte es den Bürgern, die nach getaner Tagesarbeit abends Erholung suchten, durchaus nicht.

Nach der Bierordnung von 1551 besaß die Stadt 130 Brauhöfe, jedes zweite bzw. – dritte Haus hatte die Braugerechtigkeit und beschränkte Schankgerechtigkeit. Somit brauchte der durstige Cottbuser Bürger keine Angst zu haben, trocken gelegt zu werden.

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts tauchen die ersten sicheren Nachrichten über Gasthöfe in Cottbus auf. 1671 brannte die Stadt fast vollständig ab, und da jeder Bürger alle verfügbaren Mittel zum Aufbau seines Hauses brauchte, gewährte die Stadt mehrere Jahre Steuerfreiheit, um den Aufbau der Stadt voran zu treiben.

 

Der Ratskeller

Die älteste Erwähnung des Ratskellers stammt aus dem Jahre 1524. Der Ratskeller war im damaligen Rathaus zu finden und nicht wirklich eine öffentliche Gaststätte. Er war fest in der Hand der Stadt und deren Ratsleute. Er war der einzige Ort in Cottbus, in dem fremdes Bier und Wein ausgeschenkt werden durfte. Dadurch war es eine sehr wichtige Einnahmequelle der Stadt und wurde bis Mitte des 17. Jahrhundert auch von dieser betrieben. 1639 gab es die erste Erwähnung einer Ratswaage, welche für das Wiegen der ein- und ausgehenden Waren genutzt wurde und ebenfalls durch den Pächter des Ratskeller verwaltet wurde.

Kurz nach dem großen Stadtbrand von 1671 pachtete Mühlpfordt den Ratskeller und führte diesen bis 1672 selbst. Die Pacht betrug zu dieser Zeit 60 Taler jährlich. Am 12.11.1698 übernahm der Kunstmaler Johann Siegmund Hoffkuntz den Ratskeller von der Witwe des Bürgermeisters Mühlpfordt. Die Pacht betrug zu dieser Zeit nur noch 40 Taler jährlich.

Cottbuser Rathaus um 1930

Es wird überliefert, dass im Jahre 1716 der Pächter Hoffkuntz eine Stube an den Oberoffizier der Hauptwache abgeben musste und dadurch den Betrieb des Ratskellers nicht wie gewohnt betreiben konnte. Nach seinem Tod übernahm die Witwe Hoffkuntz den Ratskeller und führte ihn bis 1722 weiter.  Am 09.05.1733 sollte der Pächter Johann Mann abgesetzt werden, da er sich bei der Ratswaage Unregelmäßigkeiten zu Schulden hat kommen lassen.

Im Mai 1738 war der Pächter der approbierte Chirurg Nicolaus Joachim Löhr, welcher dem Stadtrat Vorschläge zur Verbesserung der schlechten  Geschäftslage machte und auf einen verstärkten Ausschank fremder Weine und Biere drängte. Mitte des Jahres 1830 wurde der Ratskeller sogar im „Berliner Intelligenzblatt“ zur Pacht ausgeschrieben.

Von 1825 bis 1850 führte Christian Prosch den von ihm gepachteten Ratskeller für eine Pacht von jährlich 432 Thalern. Im Jahre 1841 wurden insgesamt 295 Tonnen Cottbuser Bier, 28 Tonnen ausländisches Bier, 2 Eimer und 20 Quart Wein, sowie ein Eimer Branntwein im Ratskeller ausgeschenkt. Nach den Unruhen am 18. April 1848 bemüht sich Prosch vergeblich um städtische Unterstützung bei der Beseitigung der nicht unbeträchtlichen Schäden. Christian Prosch kündigte im Jahre 1850 den Pachtvertrag auf, da in diesem Jahr, von Juli bis Oktober, der Ratskeller wegen umfangreicher Bauarbeiten geschlossen wurde. Der neue Pächter im Jahre 1851 war der Tabakspinner August Caspa.

Ratskeller Cottbus vor den Ausbauarbeiten
Ratskeller Cottbus nach Ausbauarbeiten um 1894/95

 

 

 

 

 

 

 

 

Ruine des Cottbuser Rathaus 1945

In den Jahren 1885/86 wird Max Goldstein als Inhaber des Ratskellers genannt, welcher auch alleiniger Vertreter des „Münchener Augustiner-Bräu“ war.

Zwischen 1894 und 1895 gab es wiederum Ausbauarbeiten im Ratskeller. Nach Beendigung dieser Ausbauarbeiten zu Restaurationszwecken wurde der Ratskeller neu eingeweiht und über alle Kriegsjahre hinweg mit ständig wechselnden Pächtern weiter geführt.

Das Rathaus wurde dann Ende des zweiten Weltkrieges so schwer zerstört, dass die Ruine nur noch abgerissen werden konnte. Ob sowjetische Tiefflieger oder gar Brandstiftung die Ursache dafür war, konnte man bisher nicht eindeutig klären.

Das Rathaus wurde am Neumarkt als Backsteinbau neu aufgebaut, allerdings gab es nun keinen Ratskeller mehr.

 

Gasthof „Goldener Ring“

Die ersten Gasthäuser in Cottbus waren natürlich am heutigen Altmarkt zu finden, wo die etwas wohlhabenderen Bürger der Stadt zu Hause waren, die die Brau- und Schankgerechtigkeit besaßen. Als einer der ersten und bekanntesten Gasthöfe der Stadt ist hier sicherlich der „Goldene Ring“ zu nennen.

Erste Hinweise zu diesem Gasthof benennen einen Jacob Hensel (Jacuff Schlesier) als Besitzer dieses Gebäudes in den Jahren von 1544 bis 1551. 1551 durften in diesem Haus 20 Biere lt. Braugerechtigkeit gebraut werden. 1572 lag dann eine Braugerechtigkeit von 10 Bieren und die Gerechtigkeit einen Gasthof zu betreiben auf diesem Haus. Besitzer war in diesem Jahre ein Jacob Brose, welcher 1588 durch Johannes Burckhardt, auch Krüger genannt, ersetzt wurde. 1599 war ein Balzer Burckhardt als Besitzer des Gasthofes genannt. In welchem Verwandtschaftsgrad dieser zu seinem Vorgänger stand, ist uns leider nicht bekannt. 1623 besaß Thomas Burckhardt den Gasthof und von 1635 bis 1638 führte Martin Krüger das Lokal.

Danach übernahm der Bürgermeister Johann Meißner den „Goldenen Ring“ und besetzte die Brau- und Kramgerechtigkeit auf diesem Haus, welche er bis 1652 besaß. Leider wurde auch dieses alte Gemäuer nicht vom großen Stadtbrand 1671 verschont, es brannte bis auf die Grundmauern nieder.

August Hildebrandt baute das Haus als Fachwerkbau wieder auf. Er starb 1690 und der Gasthof gelangt in den Besitz der Familie Köhler, deren Mitglieder mehrfach zu den Ratsleuten gehörten. 1720 übernahm Augustin Köhler den Gasthof und nach dessen Tod seine Witwe. 1730 wurde das Vordergebäude neu aufgebaut und 1754 übernahm Johann Ludwig Köhler das Haus. Dieser war auch Bürgermeister der Stadt (1763-1785). Im Jahre 1768 gab es die ersten Planungen zur Aufstockung des Gasthofes, die aber erst zwischen 1800 und 1810 durchgeführt wurden. 1804 übernahm kurzzeitig der Glasermeister Carl Richard Lehmann den „Goldenen Hof“, er starb noch im selben Jahr und seine Witwe Cholarina Sophie Elisabeth Lehmann (geborene Titius) führte die Geschäfte weiter.

Am 20.11.1812 wurde erwähnt, dass ihr Sohn, der Glasermeister Wilhelm Ferdinand Lehmann, das Grundstück für 9000 Taler kaufte, zuvor das Bürgerrecht und damit die Braugerechtigkeit erwarb. 1842 lag die Braugerechtigkeit bei 11 Bieren auf diesem Haus. Im Jahre 1855 wird als Besitzerin seine Schwiegermutter, Witwe des Kupferschmieds Butter aus Dresden genannt, welche den Gasthof bis 1857 betrieb. Neuer Besitzer in dem Jahr wurde Carl Wilhelm Schulz, ehe 1859 die Geschwister Rumbaum das Lokal übernahmen. Drei Jahre später war es erneut Carl Wilhelm Schulz, der den Gasthof betrieb und ihn bis 1879 führte. Nach seinem Tod übernahm seine Witwe das Lokal, gab es aber ein Jahr später weiter an Pauline Schulz. 1886 übernahm der Hotelier Clemens Neubauer das Grundstück. Seine Witwe Amalia Neubauer leitete das Lokal, nach dem Tode Ihres Gatten 1889 noch bis 1897 weiter. Bewirtschaftet wurde das Lokal zu jener Zeit von Amelie Hebicht.

Grußkarte aus dem Hotel „Goldener Ring“ vom Almarkt 1899

Der Hotelier Hermann Hartmann kommt im Jahre 1899 in den Besitz des Hauses, welches ab 1905 von Paul Kunze bewirtschaftet wird. Dieses Haus hat nicht nur eine lange gastwirtschaftliche Vergangenheit, sondern auch eine interessante kulturelle Geschichte in der Stadt Cottbus. So wurde dieses Haus schon seit Anfang des 19. Jh. für Theateraufführungen genutzt. 1854 wurde ein Theatersaal im Obergeschoss des Querbaus eingebaut. 1874 bekam dieser eine vollständig neue Dekoration und 1891 wurde die Ausstattung des damals ausgebrannten Berliner Viktoria Theaters impliziert. Der Aufführungssaal hatte nun 341 Sitz- und 300 Stehplätze zur Verfügung.

Am 12.04.1908 gab es die letzte Vorstellung des alten Theaters, Direktor Kühn aus Bremerhaven präsentierte mit seinem Ensemble das Theaterstück „Liebesmanöver“.

Am 09.09.1908 erwarb die Stadt Cottbus durch Carl Altmann das Hotel für 128.000 Mark und richtet dort Verwaltungsbüros ein. Am 04.11.1909 tagten zum ersten Mal die Stadtverordneten im neuen Sitzungssaal, dem ehemaligen Theatersaal. Dieser hatte nur noch wenig künstlerisches Ambiente zu bieten, da er im schlichten Weiß angemalt wurde. Bis 1960 blieb dieser Saal den Sitzungen des Magistrats vorbehalten.

In den Jahren 1924 und 1985 gab es umfassende Instandsetzungsmaßnahmen an und in diesem Haus. Die Stadtverordneten nutzten den Saal wiederum ab 1995 als Sitzungssaal, wobei in diesem Jahre eine Grundsanierung und Neugestaltung des gesamten Ensembles sowie eine Restauration u.a. der barocken Treppenanlage und der beiden aufgefundenen Deckenfassungen im Vorderhaus durchgeführt wurde. Der Saal im Quergebäude und die Holzbalkendecke im Erdgeschoss des westlichen Flügels wurden ebenso restauriert, wie die Hauptfassade im Bereich des Erdgeschosses.

Weitere bautechnische Merkmale des Gebäudes sind zum Beispiel das einseitig gewalmte (Krüppel-)dach mit Fledermausgaube sowie das liegende dreigeschossige Vorderhaus. Die sechsachsige Fassade im Erdgeschoss ist genutet und zwischen den Obergeschossen zeigt sich ein breiter, aufgesetzter Rankenfries. Die Fenster sind gerahmt von profilierten Flaschen, welche im Obergeschoss mit Perlstab verziert sind.

Die Giebelfront zur Scharrengasse ist fünfachsig und die Erdgeschossraumfolge mit Einfahrt und Treppenhaus ist sehr dominierend. Im ersten Obergeschoss findet man eine große Diele, im zweiten Obergeschoss zwei Räume mit restaurierter, klassizistischer Deckenmalerei und bemalten Paneelen sowie Türen des 19. Jahrhunderts. Ein ebenso wichtiger Bauteil des Gebäudes ist sicherlich der vom Vorgängerbau stammende große tonnengewölbte Keller. Man sieht also, dass der „Goldene Ring“ als Gastwirtschaft, Hotel, Theaterspielstätte und städtischem Verwaltungssitz, eine wesentliche baugeschichtliche und stadtgeschichtliche Bedeutung für Cottbus hat, wobei der Saal als einziger von zahlreichen, in Cottbus im 19./20. Jahrhundert, entstandenen Festsälen erhalten blieb.

Hotel „Goldener Ring“ in späterer Zeit
Hotel „Goldener Ring“ um 1904

 

 

 

 

 

 

 

 

Gasthof „Erich’s Bier Haus“

Eine ebenso lange gastwirtschaftliche Tradition hatte das Haus Am Altmarkt 18.

Zwischen 1544 und 1572 war der erste Besitzer ein R. Antonius Schaff.  Zu dieser Zeit lag auf dem Hause eine Braugerechtigkeit von 10 Bieren. Von 1599 bis 1623 war Berndt Schrooter Hausbesitzer, der vom Beutler Hans Schrooter abgelöst wurde, in dessen Familie blieb das Haus bis 1672.

Zwischen 1672 und 1737 werden August Köhler, Hans Georg Gromann und Hermann Koch als weitere Besitzer genannt, ob diese drei Herren zu gleicher Zeit oder eher nacheinander im Besitz des Hauses waren, ist nicht mehr nachzuvollziehen. Caspar Gottlieb Wenzig besaß das Grundstück ab 1737, zu dieser Zeit trug das Haus die historische Hausnummer 328, welche im ältesten Stadtplan („Handschky-Plan“) zu finden ist. Er war es auch, der aus diesem Haus eine Gastwirtschaft machte, denn die erste urkundliche Erwähnung des Hauses als Gasthof stammt aus diesem Jahr.

In den Jahren zwischen 1749 und 1773 ist der Gasthof im Besitz der Familie Mettke, ein Gottlob Mettke und ein Christian Mettke waren als Besitzer eingetragen. Auf sie folgte 1773 Gottlieb Ephraim Gerich als Inhaber, bevor 1793 eine Familie Hoffmann, genannt wurde hier Anna Dorothea und Luise Dorothea Hoffmann, das Gasthaus am Altmarkt übernahmen.

1804 übernahm der Buchbinder Johann Friedrich Erich das Grundstück, das dann bis 1925 im Besitz der Familie blieb. Seit 1881 trug die Gastwirtschaft dann den Namen „Erich`s Bierhaus“, bei den Cottbusern sehr bekannt und beliebt. 1925 übernahm die Familie Siegmund das Grundstück und führte die Gastwirtschaft unter dem bisherigen Namen weiter. Spätere Besitzer waren von 1926 bis 1928 Dora Vogel und von 1930 bis 1935 Arthur Siegmund.

Altmarkt Cottbus um 1904, im Hintergrund Mitte der Gasthof „Erich’s Bier Haus“
Altmarkt Cottbus um 1928, im Hintergrund Mitte der Gasthof „Erich’s Bier Haus“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am 21.07.1937 wurde das 200 jährige Bestehen der Gastwirtschaft gewürdigt und aus dem Anlass wurde ordentlich gefeiert. Die Witwe von Arthur Siegmund, eine Frau Frieda Siegmund, führt das Gasthaus weiter. 

Laut einer Bauakte (BA/769) von 1946 wurde von der damaligen Besitzerin Frieda Hannemann der Antrag zum Bau eines neuen Wirtschaftsgebäudes im Hof gestellt. Das bisherige Wirtschaftsgebäude war im Krieg zerstört worden. Der Neubau wurde zunächst abgelehnt, aber im Jahre 1948 durch den Architekten Wilhelm Klaue doch durchgeführt.

Herr Werner Siegmund übernahm nach seiner Lehre im Hotel „Weißes Roß“ den Gasthof „Erich’s Bier Haus“.

In den folgenden Jahren, besonders in den 1980- iger Jahren, kam es zu einer regelrechten Sanierungswut an historischen Gebäuden in Cottbus. Die Ostseite des Altmarktes blieb weitestgehend verschont und so gehörte eben dieses Haus, zu einem der wenigen Gebäude auf dem Altmarkt, wo die barocke Grundsubstanz erhalten blieb.

Beim Umbau 1990 wurde das Erdgeschoss unter möglichst weitgehender Bewahrung der Bausubstanz verändert und eine neue Treppenanlage eingebaut. Heute besitzt dieses Haus eine enorme stadt- und baugeschichtliche Bedeutung als einer der letzten traditionellen und historischen Gaststättenorte der Stadt. Bis Oktober 2003 erwirbt sich die Gastronomie unter dem Namen „Bistro am Altmarkt“ einen guten Ruf bis weit über die Stadtgrenzen hinaus. Ab Oktober 2003 wurde das Haus am Altmarkt 18 komplett umgebaut und voll saniert, um den Ansprüchen der Zeit gerecht zu werden. Seit September 2004 verbindet das Haus unter dem Namen „Brau & Bistro“ alte Traditionen mit zeitgemäßer moderner Gastronomie.

 

Hotel Ansorge

Am Cottbuser Altmarkt war auch das Hotel Ansorge zu finden. Das Haus am Marktplatz 17 wurde das erste Mal 1544 im Cottbuser Adressbuch erwähnt. Zu dieser Zeit wurde hier ein Herr Mathias  Anschuch als Bewohner registriert, seine Braugerechtigkeit belief sich im Jahre 1551 auf 20 Biere, was für diese Zeit eine beträchtliche Anzahl war, denn 1572 betrug sie nur noch 13 Biere. Von 1599 bis 1720 erfährt man in alten Aufzeichnungen wenig über das Haus, die Haustelle wurde 1599, 1623/38 und 1652 als „Wüst“ bezeichnet.

1720 kommt das Grundstück in den Besitz von Daniel Graupner und Christian Lämchen. 1746 wird als Besitzerin Anna Margarethe Lämchen, geb. Graupner, genannt. Ihr folgen nach 1781 Christiane Elisabeth Prosch geb. Graupner und der Tuchmacher Johann Gottlieb Prosch. Ebenso wird Christian Mühlpfordt, ehemaliger Bürgermeister der Stadt, als Besitzer des Grundstücks geführt. Seit wann das Haus eine Gastwirtschaft gewesen ist, lässt sich anhand des vorhandenen Materials nicht genau belegen. Allerdings ist überliefert, dass die Gastwirtschaft ab 1842 nicht mehr betrieben wurde, da der Bäckermeister Hermann Klingmüller, Besitzer des Grundstücks, dort eine Bäckerei betrieb.

Postkarte vom Altmarkt Cottbus 19. Jahrhundert

Am 7. April 1865 erwarb Eduard Ansorge das Grundstück und stockte das sechsachsige Gebäude um eine Etage auf und deckte es neu mit einem Pappdach. Eduard Ansorge nahm zu der Zeit eine unbesoldete Stelle im Stadtrat wahr. 1871 ließ er das kleine Giebelhaus zur Linken abreißen und baute einen dreigeschossigen Neubau. Weiterhin wurden die Fassaden der beiden Häuser miteinander vereint und im spätklassizistischen Stil gestaltet.

Seit 1875 war dieses Grundstück dann als Hotel Ansorge ein beliebtes und auch von vielen Cottbusern noch bekanntestes Haus, der „gehobenen“ Gastronomie. Im Jahre 1891 wurde auf dem Grundstück ein Hintergebäude mit einer eingeschossigen Kegelstube und Kegelbahn errichtet.

Ab 1892 trug das Gebäudeensemble die gemeinsame Hausnummer 17. Nach 1895 werden unterschiedliche Besitzer dieses Hotels genannt, so war es im Jahr 1895 ein Wilhelm Bernhardt. Ihm folgten 1899 H. Fehn, 1901 Johannes Wangemann, 1902 Louis Danz und 1908 schließlich Familie Seelemeyer. In den Folgejahren sind die Besitzer leider nicht bekannt. 1955 wurde das Gebäude als Quartier für die Offiziere der kasernierten Volkspolizei genutzt. Im Jahre 1956 übernahm die Handwerkskammer des Bezirkes Cottbus das Hotel und baut es zum „Haus des Handwerks“ aus. 1991 wurde das Haus bis auf die Fassade an der Straßenseite zum Altmarkt abgerissen. Ein Jahr später wurde das Haus durch die Handwerkskammer rekonstruiert, sie ist bis heute Besitzer des Hauses.

„Haus des Handwerks“ 1959
Gaststätte im „Haus des Handwerks“

 

 

 

 

 

 

 

⇒ Zum Stadtplan bei google maps – Gaststätten am Cottbuser Altmarkt

 

Hotel „Weißes Roß“

Ein ebenso bekanntes wie beliebtes Hotel war das „Weiße Roß“, das um 1610 erstmals erwähnt wurde. Für die  Folgejahre existieren keine schriftlichen  Überlieferungen von dem Hotel.

Hotel „Weißes Roß“ am Berliner Platz 1910

Im Jahr 1671 wurde auch das „Weiße Roß“ nicht vom großen Stadtbrand verschont, es brannte komplett nieder. In den Folgejahren wurde es wieder aufgebaut, ein zweites Stockwerk hinzugefügt.

Der Name „ Weißes Roß“ erscheint erstmals im Jahre 1716 für das Haus. In dem Schriftstück wird auch erwähnt, dass der Gastbetrieb eine Konzession für den Ausschank von Bier, Wein, Branntwein und das Brennen von Korn erhielt.

In den sogenannten „ Kalwa Häuserbüchern“ wird der Gastwirt Johann Siegmund Bellmann (geb.: 1681 – gest. 21.11.1732) als benannt.

Leider gibt es danach wenige überlieferte Informationen zu diesem Hotel, die nächste Erwähnung stammt aus dem Jahre 1876/77, in der es heißt, dass eine Familie Handrow im Besitz des Gebäudes war, speziell werden hier als Besitzer Amelie und Wilhelmine Handrow genannt. 1886 wurde die Gaststätte von August Michlitz erworben. Bis zum Jahre 1899 war es nur eine Gaststätte, kein Hotel.

Ruine des zerstörten Hotels 1945

Erst nach einer sehr umfangreichen Umbauphase wurde aus der Gaststätte ein Hotel mit einer reich dekorierten Neurenaissancefassade. Das Hotel besaß 90 Betten in 54 Zimmern und hatte Bäder im Hause. Das Hotel war ein sehr beliebter Ort, besonders die ortsansässigen Vereine nutzten es als Vereinslokal.

Im 2. Weltkrieg wurden auch in Cottbus viele Gebäude zerstört, so auch das Hotel am Berliner Platz. Die Ruine stand noch ca. 10 Jahre so, bis sie 1955 komplett abgerissen wurde. In den folgenden drei Jahren wurde dort aber kein Hotel mehr gebaut, sondern das neue Hauptpost- und Telegraphenamt der Stadt.

⇒ Zum Stadtplan bei google maps – Gaststätten am Berliner Platz

 

Gasthof „ Zur Münze“

Ein weiterer sehr bekannter Gasthof in Cottbus war sicherlich „ Die Münze“ in der Münzstraße.

Die erstmalige Erwähnung des Gasthofes stammt aus dem Jahre 1544, als Wirt wurde Herr Winkelmann erwähnt. Die weiteren Inhaber bis zum Jahre 1638 wurden nicht überliefert, vermutlich sind auch hier die Besitzanzeigen dem großen Brand von 1671 zum Opfer gefallen.

Gasthof „Zur Münze“ in Sandower Straße

1638, während des dreißigjährigen Krieges, übernahm der Bäcker Wichmann das Grundstück, gab den Gasthof auf und betrieb dort nur eine Bäckerei. Die nächste nachweisbare Erwähnung des Gasthofes stammt aus dem 18. Jahrhundert, da wird ein Umbau der denkmalgeschützten Gaststätte erwähnt. 1808 übernahm der Tuchfabrikant Johann Christoph Schmutter den Grundbesitz, welcher dann 1841 in Carl Paul überging. Dieser betrieb dann wieder bis 1910 einen Gasthof, den sein Sohn Erich Paul weiterführte.

Es gibt dann erst wieder einen Nachweis für eine Konzession von der 24. Gemeinde- und Stadtratssitzung vom 03.12.1947 für Carl Paul.

1979 übernahmen Hans Jürgen und Ursula Nickusch die damals älteste Gaststätte der Stadt Cottbus.

Bei der Bewirtung mussten die Wirtsleute die niedrigen und kleinen Räume berücksichtigen, Kiefernschwarten, sogenannte Dünnbretter dienten als Sitzgelegenheiten, geschmiedete Beschläge, Cottbuser Geschirr und in Holz gebrannte Bilder erinnerten an die Münzarbeit.

1988 erfolgte dann der Abriss, obwohl viele Cottbuser das zu verhindern versuchten. Cottbus verlor seine älteste Gaststätte und ein historischstes Merkmale der Stadt.

Cottbus hatte in den letzten Jahrhunderten natürlich eine Vielzahl an Gaststätten und Hotels für seine Bürger, nicht alle können aufgeführt werden bzw. für nicht alle gibt es Nachweise.

⇒ Zum Stadtplan bei google maps – Sandower Straße

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