Fotoarchiv Meldehöfe

Meldehöfe (Cottbus)

Ein Gewerbehof zwischen August-Bebel-Straße und Karl-Liebknecht-Straße

Der Tuchmacher Matthens Melde ließ auf dem Areal zwischen August-Bebel-Straße und Karl-Liebknecht-Straße 1748 eine Kornbrennerei erbauen. Diese entwickelte sich bis 1914  zu einem der größten Privatunternehmen von Deutschland.

 

Fabrikantenvilla; heute Wohnhaus und Physiotherapie 
Fabrikantenvilla; heute Wohnhaus und Physiotherapie

Bis zum Beginn des zweiten Weltkrieges gab es außer der Brennerei auf dem Gelände einen Weinhandel, eine Fruchtsaftpresse und eine Obstweinkelterei.

Nach 1945 erfolgte die Enteignung des Besitzers, die Firma wurde unter dem Namen  „Konsum Kornbrand- und Likörfabrik Melde“ weitergeführt. Durch eine alkoholfreie Abteilung wurde 1989 das Werk erweitert. Zu den bekanntesten Kornerzeugnissen gehörten unter anderem der „Herrenstolz-Doppelkorn“, der „Cottbuser Jubiläumskorn“ und der „Weizendoppelkorn“. Bei den Spirituosen lag die Jahresproduktion im Schnitt bei 120.000 hl, etwa 800 Mitarbeiter waren in der Brennerei  mit der Produktion beschäftigt.

1992 wurde die Fabrik vom Unternehmen „Underberg“ aufgekauft und unter dem neuen Namen “Cottbuser Kornbrennerei und Likörfabrik GmbH“ weitergeführt. Die Mitarbeiterzahl reduzierte sich allerdings auf 30 Angestellte. Die eigene Brennerei und die Abteilung alkoholfreie Getränke wurden stillgelegt.

1996 erfolgte dann die komplette Schließung der Fabrik.

Die Firma Quattrohaus GmbH  kaufte das Gelände und es entstand ein innerstädtisches Wohnquartier. Zusammen mit der Bautec Beteiligungsgesellschaft mbH& Co   entstanden zwei fünf geschossige  Wohnhäuser und zwei Stadtvillen mit je 21 Eigentumswohnungen.

Durch die Firma Behrendt Elektrogroßhandel und Lichtdesign, in der August-Bebel-Straße 23, wurde ein Teil der Melde-Fabrik ausgebaut und saniert. So entstanden neue Geschäftsräume und das Lager konnte vergrößert werden.

Eigentumswohnungen speziell für größere Familien entstanden im alten Industriebau, der 2013 umgebaut wurde. Es handelt sich dort um ein Gebäude mit vier Etagen,  die Wohnungen haben eine Größe ab 125 m²  aufwärts.

 

In der ehemaligen Melde-Kantine wohnt und arbeitet seit 2012 der Maler und Grafiker Günther Rechn aus Cottbus.

Im letzten Bauabschnitt, in der Karl-Liebknecht-Str. 111, entstehen insgesamt 11 Wohnungen. In 2, 3 und 4 Raum Wohnungen werden Wohnflächen zwischen 58 -142m² für Mieter angeboten. Dabei wird auf eine barrierefreie und energieeffiziente Bauweise geachtet..

2012 wurde ein Erschließungsweg zwischen der August-Bebel-Straße und Karl-Liebknecht-Straße fertig gestellt. Dieser trägt den Namen Gustav-Melde-Weg und ist etwa 214m lang.

Schokoladen- und Keksfabrik Cottbus

Der Cottbuser Kaufmann Heinrich Burk und der Werksmeister Paul Braun, eröffneten in der Karl-Liebknecht-Str. 102 (damals  Kaiser-Friedrich –Wilhelm Straße 96-102) eine Schokoladenfabrik unter den Namen  „Burkbraun“.

Maschinell erzeugt wurden zu Beginn Schokoladen und Trinkkakao. Zusätzlich erfolgte auch die Abfüllung von Schwarztee und geröstetem Kaffee. Die Anzahl der Mitarbeiter stieg in den ersten zehn Jahren rasant von 500 auf 1500.

Die erste, weltweit einmalige, Radium-Schokolade wurde ab 1930 produziert. Aus dem angrenzenden Betriebsgarten wurden Früchte  für die Produktion von Schokoladen genutzt.

Im zweiten Weltkrieg wurden die Besitzer zur Herstellung von Fliegerschokolade verpflichtet. Dafür mussten auch Frauen aus dem Cottbuser Zuchthaus Zwangsarbeit leisten.

1943, während der Endphase des 2.Weltkrieges,  wurde eine Abteilung für Gewehrmunition eingerichtet. Die Produktion von Schokolade wurde gestoppt und Teile der Fabrik wurden durch Luftangriffe  zerstört.

Nach Kriegsende erfolgte die Enteignung der Besitzer, sie wurde 1946 an die Revision- Wirtschaftsverband der Brandenburgischen Konsum Genossenschaft GmbH Potsdam übergeben. Am 1. Juni 1947 erfolgte die Umbenennung in „Rewi-Werke“.

Bis Ende 1947 mussten Berge von Schutt beseitigt werden. Die im Krieg zerstörten Gärtnereien wurden wieder aufgebaut und man begann mit dem Gemüseanbau.  Die erste produktive Abteilung entstand im hinteren Teil der Fabrik. 1948 wurden dort erstmals Gemüsekonserven hergestellt. Um das Verderben der Rohwaren zu vermeiden, begann man im Zweischichtsystem zu arbeiten.

Im Jahr 1950 wurde die Fabrik erneut umbenannt, sie erhielt den Namen „Naco Cottbus“ (Nahrungsmittelwerk Cottbus), auf dem Fabriklogo war der Cottbuser Postkutscher zu sehen und die ersten Cottbuser Kekse wurden hergestellt, auch Baumkuchen, Lebkuchen und Dominosteine gehörten zum Sortiment.

Der erste eigene Lehrausbilder wurde in den 1950er Jahren eingestellt und er bildete Lehrlinge bis zur Wende aus. Die Anzahl der Lehrlinge war unterschiedlich hoch, die Lehrzeit betrug 2 aber auch 3 Jahre.

Es gab auch eine extra Abteilung, in der Backwaren für den Export in die BRD verpackt wurden. Diese hergestellten Waren unterlagen einer sehr strengen Kontrolle. In dieser Abteilung arbeiteten meistens ältere Mitarbeiterinnen oder Schwangere. Die Kekse wurden zum Beispiel aus einer Stiege einzeln entnommen und kontrolliert. Die Verpackungen für BRD Produkte hatten einen bunten Hintergrund und zeigten ein Bild von Monaco mit der Aufschrift „Monaco“. Eine  sehr strenge Kontrolle gab es beim Abwiegen von fertigen Verpackungen, ebenso erfolgte eine tägliche Untersuchung im Labor zum Geschmack und Aussehen, zur Größe und zum Gewicht. Wurden Produktions- oder Verpackungsfehler festgestellt, gab es für die jeweiligen Brigaden Abzugspunkte. Die Brigaden standen im monatlichen Wettbewerb und erhielten bei guter Leistung Prämien.

Für die Versorgung der Mitarbeiter gab es auf dem Gelände auch eine Küche und einen großen Speisesaal für etwa 100 Arbeiter. Gleich nebenan befand sich ein Kiosk, wo die Mitarbeiter sich Getränke und kleine Snacks kaufen konnten. Im selben Gebäude waren auch die Buchhaltung und die Lohnabrechnung des Betriebes untergebracht. Zur Überwachung der Gesundheit der Arbeiter gab es eine Krankenabteilung mit Betriebsschwester und Betriebsarzt. Auch ein Kosmetikstudio stand zur Verfügung, es durfte auch in der Arbeitszeit genutzt werden. Gelegentlich, bei guter Auftragslage, wurde auch samstags gearbeitet, diese Arbeit wurde extra und am Ende der Schicht bar ausgezahlt.

Im hinteren Teil der Fabrik befand sich die große Lagerhalle, diese wurde nach 1980 erbaut.

Am Eingang zum Firmengelände steht noch immer das Pförtnerhäuschen. Wer den Betrieb verlassen wollte, musste hier vorbei und drückte eine Kontrolltaste, leuchtete diese auf, wurde man vom Pförtner kontrolliert. Wer Waren aus der Firma in seinen Taschen hatte, musste mit einem Disziplinarverfahren rechnen. Mitarbeiter, die während der Arbeitszeit das Betriebsgelände verlassen wollten, benötigten einen Passierschein vom Brigadier und trugen sich in einem Empfangsbuch ein und aus.

Für die Wartung und Reparatur der Maschinen gab es im Betrieb eine Elektriker- und Schlosserwerkstatt. Oft dauerten die Reparaturen Tage, da es an Ersatzteilen fehlte. Die Arbeiter wurden dann an andere Produktionsstellen verteilt.

1992 wurde der Betrieb umbenannt in „Wolf-Snack & Gebäck GmbH“. Die Produktion wurde auf Salzgebäck umgestellt. 1994 zog die gesamte Firma von Cottbus nach Krieschow, wo seit 2001  unter dem Namen „Spreeback-Cottbus-Krieschow“ Salzgebäck und Snacks hergestellt wird.

Heute befinden sich auf dem Gelände mehrere verschiedene Unternehmen. In dem ehemaligen Pförtnerhäuschen ist jetzt ein Nagelstudio. Gleich am Eingang hat ein Großhändler für Heizung und Sanitär Räume angemietet. Ebenso befinden sich auf dem Gelände ein Naturkostladen „Erdbär“, im Bereich der August-Bebel-Straße das Frauenfitnessstudio „Inform“ und gegenüber davon die Pizza-Kette „Freddy Fresh“. Ein großes Bürogebäude, das sich direkt an der August-Bebel-Straße befindet, wird heute unter anderem von der BTU Cottbus genutzt.

 

Quelle: http://www.lr-online.de/regionen/cottbus/Schnapsbrennerei-wird-zu-Wohnraum;art1049,410483

Text: aus der Lausitzer Rundschau, dem Märkischen Boten, dem Stadtarchiv Cottbus