Raumflugplanetarium Cottbus

Am 26. April 1974 war es dann soweit. Das erste Raumflugplanetarium der DDR, in dieser Größe, wurde in Cottbus eröffnet. In seiner Art war es das Zweite in Europa, in Polen war das erste Planetarium dieser Art erbaut worden. Stolz war man auch, dass es das siebte Planetarium der Welt war. Die Gesamtkosten betrugen zwei Millionen Mark der DDR.

Das Raumflugplanetarium vor der Eröffnung
Foto: Planetarium

Genosse Gerhard Schulz und weitere Ehrengäste bei der feierlichen Einweihung im Eingangsbereich des Planetariums.
Foto: J. Kaffka

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf Vorschlag des Rates der Stadt Cottbus wurde das 1. Raumflugplanetarium  der DDR nach dem Ersten Fliegerkosmonauten der UdSSR,  Juri Gagarin benannt.

Dokument/Urkunde: Planetarium

Erster Leiter und Techniker im Planetarium war Studienrat Günter Golka. Er war damals 43 Jahre alt und hatte Physik, Mathematik und Astronomie studiert. Bis zur Ernennung zum Direktor des Planetariums war er als Lehrer in der EOS in der Puschkin Promenade, dem heutigen Konservatorium tätig. Er hatte das  Amt des Planetarium- Leiters bis  zur Wende inne.

Herr Golka erinnert sich noch heute an die Anfangszeit im Planetarium. Zum ersten Team gehörte noch Herr Müßiggang als stellvertretender Leiter. Der damals 46 jährige Lehrer unterrichtete in der  sorbischen EOS unter anderem im Fach Astronomie. Weil er auch als Fachberater für Astronomie tätig war, wurde Herr Müßiggang zum Planetarium berufen. Weiterhin gehörte der Ingenieur Herr Helmut Lehnigk dazu. Herr Lehnigk studierte an der TU Dresden Elektrotechnik und Elektronik und hatte die besten Voraussetzungen als Techniker im Planetarium. Die Sekretärin Frau Kerscht und die Reinigungskraft Frau Langner gehörten ebenfalls zum Team.

Ende der 70- iger Jahre kam noch der Mathematik und Astronomie Lehrer, Herr Herbert Prax, dazu. Er war zuvor in der EOS (Erweiterte Oberschule) in der Puschkin Promenade tätig.

Auch an seine Zeit als Lehrer an der EOS erinnerte sich Herr Golka zurück. Er war mit seinen Schülern mehrmals in der Schulsternwarte in der Gartenstraße zu Besuch.

Foto: Planetarium

Foto: F. Salzmann

Bereits ein viertel Jahr später wurde das Planetarium für drei Monate wieder geschlossen. Grund dafür war die neue Bestuhlung des Vorführraumes durch  das Möbelkombinat Hellerau.

Nach dem Einbau der neuen Theaterklappstühle fanden 140 Personen im Vorführraum Platz. Die Anordnung der Stühle war kreisförmig.

Die neuen Klappstühle taten ihren Dienst bis zum Umbau 2013 und wurden dann für fünf  Euro pro Stück verkauft.

Das Cottbuser Planetarium unterhielt auch Beziehungen zum polnischen Planetarium in Olsztyn. Im November 1974 weilten die Mitarbeiter des polnischen Planetariums für vier Tage zu einem Arbeitsbesuch in Cottbus.

Wie mir Herr Müßiggang berichtete, wurden Programme zur Vorführung ausgetauscht. Er bedauerte auch, dass diese Beziehungen durch den Umbruch in Polen 1980 von „höherer Stelle“ ein Ende gesetzt wurde.

Auch eine Delegation aus Bulgarien konnte  1975 zu einem Erfahrungsaustausch begrüßt werden. Dort sollte ebenfalls ein Planetarium eröffnet werden. Weiterhin gab es eine Zusammenarbeit mit anderen Planetarien, auch mit einem Planetarium in der Slowakei. Leider sind diese alten  Beziehungen nach der politischen Wende im Laufe der Jahre eingeschlafen. Bis heute haben sich neue Beziehungen und Partnerschaften entwickelt.

Obwohl das Planetarium drei Monate geschlossen war (Einbau der neuen Bestuhlung im Vorführraum), konnte nach dem Umbau, am 15. September 1974 bereits der 10.000 Besucher begüßt werden.

Ein Lehrerehepaar aus Cottbus bekam die ersten Ehrenkarten für einen kostenfreier Eintritt zu allen Veranstaltungen des Raumpflugplanetariums überreicht.

Dokument/Ehrenkarte: Planetarium

 

 

Fast auf den Tag genau,  ein Jahr später, wurde Herr Scholz als 50.000 Besucher empfangen.

Ende Juni 1976 war der Schüler Frank Kube aus Vetschau der 100.000 Besucher. Günter Golka (rechts im Bild) mit Schuldirektor Zilz bei der Feierstunde dazu.

Foto: Planetarium

 

 

 

1976 erschienen die ersten Postkarten mit dem Planetarium als Motiv. Briefumschläge und Briefköpfe wurden mit der Anschrift gedruckt. Am Eingang zum Planetarium wurde ein Relief von der Größe 2 x 5 Meter von der KPG Seidewinkel angebracht.

Foto: G. Heimhilger

Die angebotenen Veranstaltungen waren unterschiedlich. So gab es Vorstellungen für das öffentliche Publikum, für Schulklassen zum Astronomie Unterricht und gesonderte Vorstellungen für Kinder. Die Vorstellungen dauerten  in der Regel 50 Minuten. Das Eintrittsgeld betrug 1,20 Mark der DDR.

Die Öffnungszeiten des Raumflugplanetariums waren:

Montag            Ruhetag

Dienstag          17.00 und 19.00 Uhr – für das öffentliche Publikum

Mittwoch          08.30 und 10.30 Uhr – für Schulklassen

Donnerstag        08.30 und 10.30 Uhr – für Schulklassen

Donnerstag        17.00 und 19.00 Uhr – für das öffentliche Publikum

Freitag           08.30 und 10.30 Uhr – für Schulklassen

Samstag                     14.00 Uhr – für das öffentliche Publikum

Sonntag                     10.00 Uhr – für Vorschulkinder

Dokument/Kopie: G. Heimhilger

Wie mir Herr Golka berichtete, gab es ein Anmeldebuch für das öffentliche Publikum zu Extravorstellungen. So konnten sich zum Beispiel Brigaden oder Vereine anmelden und ein bestimmtes Programm auswählen.

Der Tagesablauf begann um 8.00 Uhr und endete oft durch die Extravorstellungen spät abends. Am Montag war Ruhetag. Dieser Tag wurde für kleinere Wartungsarbeiten genutzt und man hatte Zeit, an neuen Programmen zu arbeiten und sie zu programmieren.


Foto: Planetarium

Eine größere Wartung des „Spacemaster – Projektors“ wurde während der Garantiezeit durch den VEB Carl Zeiss Jena durchgeführt. In dem Projektor befinden sich 120 Einzelprojektoren. Dadurch dauerte die Wartung zwei bis drei Wochen. Es wurden dabei Teile ausgetauscht und Nachjustierungen der Sternbilder vorgenommen.

Alle anderen Wartungen wurden von den Mitarbeitern des Planetariums durchgeführt.

Einmal im Jahr, meist im Januar, stand immer eine große Wartung des „Spacemaster – Projektors“ an. Je nach Arbeitsumfang lag die Dauer der Wartung auch hier bei drei bis vier Wochen.

 


Fotos: Planetarium

 

 

 

 

 

 

 

 

Die große Wartung am „Spacemaster – Projektor“: Der Projektor wurde demontiert. Hierbei wurden Motoren, Schleifringe und Spezialglühlampen ausgetauscht sowie Reinigungsarbeiten durchgeführt. Probleme mit Ersatzteilen gab es kaum, bemerkte Herr Thiele. Wenn es bestimmte Ersatzteile gab, dann wurden sie einfach gekauft und eingelagert.

 

Demontierter Einzelprojektor mit Werkzeug und Ausbesserungsmaterial.
Demontierter Einzelreflektor (Nahaufnahme)
Fotos: Planetarium

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ausbesserungsarbeiten an einem Projektor.
Foto: Planetarium

Herr Thiele erklärte mir auch, dass die alten Projektoren große „Stromfresser“ waren.

Allein der Spacemaster hatte zwei 500 Watt Glühlampen.

Wenn es mal zu einem Stromausfall kam, mussten die Potentiometer für die Stromregelung der Glühlampen im Keller auf null gestellt werden, ansonsten wurden bei der Zuschaltung des Stroms durch den entstehenden Lichtbogen Löcher in die Schleifringe gebrannt.

Mit dem Einsatz der neuen Laser und LED Technik ab 2013, konnten die Stromkosten erheblich reduziert werden.

 

Die Planung der Mitarbeiter, die für die jeweiligen Vorführungen verantwortlich waren, wurden meist ein bis zwei Wochen im Voraus festgelegt, erinnerte sich Herr Golka. Jeder Mitarbeiter war für eine Reihe von Vorführungen zuständig.

Im Februar 1977 weilte der Vorsitzende der DDR Parteikontrollkommission,  Erich Mückenberger, zu einem Arbeitsbesuch in der Bezirksstadt Cottbus. Gemeinsam mit dem ersten Sekretär der SED Bezirksleitung, Werner Walde,  stand ein Besuch im Planetarium von Cottbus auf dem Programm.

1977 wurden die Vorträge im Planetarium bereits in sieben Sprachen angeboten. Dazu gehörten die russische, polnische, bulgarische, englische, französische und italienische Sprache.

Foto: Planetarium

Im Juli 1978 war Frau Kechel aus Horno die 200.000 Besucherin.

Am 6. Dezember 1978 stellte sich besonders hoher Besuch im Planetarium ein.

Auf Einladung der Abteilung Volksbildung Cottbus wurden die Forschungskosmonauten Sigmund Jähn und Eberhard Köllner zu einem Arbeitsbesuch in der Lausitz begrüßt.

Ein Abstecher bei diesem Besuch führte sie in das Cottbuser Planetarium. Sigmund Jähn war am 26. August 1978 mit der Raumkapsel Sojus 31 zur Raumstation Saljut 6 geflogen und hatte dort wissenschaftliche Experimente durchgeführt.

 

Mit einem Erlebnisbericht von seinem Weltraumflug wurde der Verlauf seiner Flugbahn in der Kuppel des Planetariums nachgestellt.

Bei einem sich anschließenden Jugendforum in der Stadthalle stand Sigmund Jähn den Fragen der Teilnehmer Rede und Antwort.

Foto: Wikipedia

 

Eberhard Köllner (Foto aus dem Jahr 2008) hatte eine besondere Beziehung zu Cottbus. Er war von 1975 bis November 1976 vor der Aufnahme zur Kosmonauten Ausbildung, Kommandeur des Jagdfliegergeschwaders in Cottbus.

Er sollte bei einem eventuellen Ausfall von Sigmund Jähn als Double ins All fliegen.

Foto: Wikipedia

 

Bis 1980 zählte das Planetarium 314.000 Besucher.

Im November 1980 weilte die damalige DDR Bildungsministerin Margot Honecker zu einem Arbeitsbesuch in der Bezirksstadt und machte einen Abstecher zum Planetarium.

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