Raumflugplanetarium Cottbus

Im Jahr 1981 gehörten 14 verschiedene Programme zum Angebot des Planetariums. Die meisten wurden von Herrn Müßiggang und Herrn Golka vorbereitet, zusammengestellt und geschrieben. Es waren Programme für Kinder- und Jugendliche, aber auch für Erwachsene.

Zum Beispiel stammten die Vorführungen „ Die Sterne zu den jeweiligen Jahreszeiten“,  „Entwicklung des Weltalls“, „Der Mond auf Wanderschaft“ und „Planetenkonstellationen“ aus der Feder von Herrn Müßiggang. Verantwortlich für die technische Leitung und Tontechnik in allen Vorführungen war der Techniker Helmut Lehnigk. Bis zur Wende 1989 waren es ca. 20 unterschiedliche Programme, erinnerte sich Herr Müßiggang.

Wie ich aus einer Broschüre des Planetariums später nachlesen konnte, waren es genau 22 Programme:

Dokument/Kopie: Programmübersicht, G. Heimhilger
Broschüre/Programmplan – Auszug 1981: Planetarium

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Themen der Programme (siehe Beispiele) waren auf die jeweiligen Zielgruppen abgestimmt:

Prospekt: Planetarium

„Der Planetariumskalender“ war ein Vortrag von Herrn Müßiggang für den Heimatkunde-  Unterricht der Unterstufe.

Die Schüler lernten, dass der Tag, der Monat und das Jahr nicht frei erfunden sind, sondern von Himmelserscheinungen abgeleitet sind. Die Sonne bestimmt hierbei wichtige irdische Vorgänge.

 

 

Prospekt: Planetarium

Der Vortrag „Planeten- scheinbare und wahre Bewegungen“ von Herrn Prax war für den Astronomie- Unterricht der 10. Klassen bestimmt.

In diesem Vortrag lernten die Schüler die Gesetzmäßigkeiten der Planetenbewegungen und die Sichtbarkeitsbedingungen kennen. In Zeitraffer wurden die Bewegungen der Planeten, die meist über Monate oder Jahre andauern, dargestellt.

 

 

Prospekt: Planetarium

Im Vortrag „Astrologie im Zeitalter der Raumfahrt“ von Herrn Gohlka wurde der seit Jahrhunderten vorhandene Aberglaube durchleuchtet.

An bestimmten Beispielen wurde die Behauptung der Astrologie, dass Sonne, Mond und Planeten die menschlichen Schicksale beeinflusst, widerlegt. Dieses Programm war für die erwachsenen Besucher bestimmt.

 

 

Foto: G. Heimhilger

Die Magnetbänder (Tonaufnahmen – siehe Foto Rechts) zu den Programmthemen existieren heute noch und werden ehrenhaft aufbewahrt.

 

Die Mitarbeiter des Planetariums nahmen regelmäßig an Weiterbildungskursen teil. Die Planetarium- Konferenzen fanden meist in Jena oder Herzberg statt, erklärte Herr Müßiggang.

Im Februar 1982 fand im Cottbuser Planetarium eine dreitägige Konferenz statt. Die verantwortlichen Mitarbeiter von über 30 Planetarien der DDR nahmen an dieser Veranstaltung teil.

Als Hauptthema stand die Verbesserung der Qualität der bisherigen Vorführungen zur Diskussion. Die Vorträge sollten noch interessanter für das öffentliche Publikum gestaltet werden. Als Beispiel wurden die Vorführungen „Unser Sonnenofen“ und „Der Mond auf Wanderschaft“ von Alfred Müßiggang gezeigt.

In den ersten Jahren wurde der Projektor durch einen Computer mit Lochstreifen gesteuert.  Die Erläuterungen zu den bildlichen Abläufen konnten dem Publikum über ein Mikrofon gegeben werden. Später sind die Erläuterungen auf ein Tonband gesprochen worden und konnten so synchron  zu den Bildern in der Kuppel abgespielt werden.

Foto: G. Heimhilger

Das Tonbandgerät hatte vier Spuren. Drei für den Ton und eine Spur war für den Time Code, der Bild und Ton synchronisierte, zuständig.  Das war damals ganz neu und einzigartig, erinnerte  sich Herr Müßiggang. Herr Thiele erzählte mir außerdem noch, dass für die Herstellung der Lochstreifen ein Fernschreiber im Keller stand. Damit war das Planetarium die einzige zivile Einrichtung, die einen Fernschreiber  zum Programmieren benutzte.

Herr Golka erinnerte sich auch an kleine Pannen. Es kam hin und wieder vor, dass der Lochstreifencomputer aussetzte, das Tonband lief dann nicht mehr synchron zu den Bildern. Die Abläufe der Bilder mussten dann per Hand nachgesteuert werden.

Einige originale Erinnerungsstücke der alten Technik sind heute in Glasvitrinen ausgestellt:

Fotos: G. Heimhilger

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dokument/Kopie: Planetarium

Im Januar 1985 wurde eine Bestellung des Planetariums bei Carl Zeiss in Auftrag gegeben (siehe Dokument Rechts).

Es sollten ein Zoomprojektor  Mars-Saturn und Erde-Jupiter zu je 5.665,00 DDR- Mark bis zum Jahr 1986 geliefert werden. Mit diesen Projektoren war man in der Lage, die Flugbahnen zwischen den Planeten nachzustellen.

Das war aber nicht die einzige Neuanschaffung des Planetariums bis zum Jahr 2013.

Herr Thiele erinnerte sich an die alte Technik. Es waren ca. 25 Projektoren und Bildwerfer, die für verschiedene Vorführungen eingesetzt wurden, so zum Beispiel ein Videoprojektor auf Röhrenbasis, ein Bildplattenleser, ein Roha- Projektor aus Stuttgart, bei dem die Dias in eine Röhre eingelegt wurden und dann rotierten oder viele Projektoren mit einem Dia-Karussell.

Zu DDR Zeiten wurden die Lautsprecher und Verstärker erneuert. Später wurde diese Technik durch  acht Lautsprechergruppen, die separat von Bändern gesteuert wurden, ersetzt.

 

 

Projektor für verschiedene Vorführungen
Foto: G. Heimhilger
Diakarussell zum Projektor
Foto: G. Heimhilger

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Macintosh Computer – Bildschirm
Foto: G. Heimhilger

Alle Geräte mussten miteinander koordiniert werden, und das geschah später mit einem Macintosh Computer. Der Bildschirm des Computers hat seinen Erinnerungsplatz im Keller des Planetariums gefunden (siehe Foto Rechts).

Zur politischen Wende wurde das Planetarium der Volkshochschule unterstellt. Der Rat der Stadt hatte nicht mehr genügend Geld um die Weiterführung mit der gesamten Belegschaft  zu garantieren, denn die Besucherzahlen waren rückläufig.

Die Anzahl der Mitarbeiter ist bis 1991 reduziert worden. Nur der Techniker, Herr Lehnigk, und die Sekretärin, Frau Kerscht, waren weiterhin beschäftigt. Herr Lehnigk musste nun die Technik warten und die Vorstellungen für das Publikum übernehmen. Für alle anderen Belange war Frau Kerscht zuständig.

Herr Golka bewarb sich bei der Volkshochschule als Fachbereichsleiter für Naturwissenschaften. Dort arbeitete er bis zu seiner Pensionierung. Herr Müßiggang wurde arbeitslos. Da er aber als Fachberater für Astronomie tätig war, konnte er die zwei Jahre bis zu seiner Pension überbrücken. Herr Prax, im Technikbereich tätig, bekam wieder eine Anstellung an der EOS in der Puschkin Promenade als Mathematiklehrer.

 

1992 gründete sich das lokale Fernsehen für Cottbus und Umgebung. Zu den ersten Gründungsmitgliedern gehörten Herr Dieter Berkau und Herr Bernd Scharf, der heute Geschäftsführer ist.

LTV-Studio in den Kellerräumen des Planetariums
Foto: G. Heimhilger

Wie mir Herr Berkau berichtete, wurden die ersten Cottbuser Beiträge zu den Sendungen des ORB (Ostdeutscher Rundfung Brandenburg) im Keller des Planetariums geschnitten und vorbereitet.

Aus dieser  Arbeit  heraus entstand die Idee, ein eigenes lokales Fernsehen ins Leben zu rufen. Das war die Geburtsstunde von LTV Cottbus.

Am 1. Februar 1994 wurde die erste eigene Sendung über den Netzbetreiber Teleco ausgestrahlt.

Die Arbeiten im Studio des Planetariums endeten im März 1995. Im April 1995 zog LTV (Lausitz TV) in die Parzellenstraße um und sendet seitdem täglich.

1994 wurde feierlich das 20 jährige Jubiläum des Planetariums begangen. Herr Müßiggang berichtete, dass  seiner Meinung nach der Festredner die Leistungen der Mitarbeiter zu DDR Zeiten kaum ausreichend gewürdigt hatte. Er war darüber enttäuscht, denn die Mühen und das persönliche Engagement der Kollegen hatten dem Planetarium zu dem großen Ansehen und dem hohen Bekanntheitsgrad verholfen.

Im März 1996 beschloss die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Cottbus die Schließung des Planetariums zum Jahresende.

Viele Anhänger des Planetariums gründeten daraufhin im April 1996 den Verein „Freunde des Planetariums“, aus dem später der „Förderverein des Planetarium e.V.“ hervorging. Es war eine politische Bürgerbewegung gegen den Beschluss der Stadt Cottbus, erklärte mir Herr Thiele. Initiatoren waren unter anderem der spätere Vorsitzende des Fördervereins, Herr Kurt Newiak, und der erste Geschäftsführer, Herr Dr. Peter Weschke, auch Herr Thiele gehörte dazu. Es gab viele Gespräche mit  dem damaligen Oberbürgermeister, Herrn Waldemar Kleinschmidt,  auf politischer Ebene. Der Beschluss konnte durch die vielen Proteste der Bürger abgewendet werden.

Im November 1996 beschloss der Bildungsausschuss der Stadtverordnetenversammlung  das denkmalgeschützte Planetarium mit einer Summe von 375.000 Mark teilweise zu sanieren. Im Dezember 1996 hatte die ersten, vom Förderverein produzierten Programme Premiere. Verantwortlich, auch für die folgenden Eigenproduktionen, war das neue Regie- und Autorenteam von Helmut Lehnigk und Gerd Thiele.

„Die drei Weihnachtssternchen“ und „Tom rettet den Frühling“ wurden die erfolgreichsten Cottbuser Programme national und international.

Im Frühjahr 1997 hatte das, von der Stadt Cottbus in Auftrag gegebene, Programm „Im Visier der Hyaden“ Premiere (Hyaden sind Sternenhaufen im Sternbild Stier). Im Vorfeld zu diesem Programm kam es wegen Kleinigkeiten, wie zum Beispiel fehlenden Diarahmen für das Diakarussel des Projektors, zu großen Problemen und die Vorführung drohte zu scheitern.

Diakarussell/Diarahmen für den Projektor
Foto: G. Heimhilger

Im März 1997 gab es vom Förderverein Überlegungen, einen Antrag zur Übernahme des Planetariums in eigene Trägerschaft zu stellen. Es fehlten jedoch die finanziellen Mittel. Herr Lehnigk war zu dieser Zeit festangestellter Techniker.

Eine im Cottbuser Planetarium entwickelte Jahresendshow hatte im Dezember 1997 erstmalig Premiere.

Diese, von Herrn Thiele, produzierte Revue ist eine Wissenschaftsshow und beschäftigt sich mit aktuellen Themen unserer Zeit. Sie dauert 90 Minuten und wird live moderiert.

Sie ist so erfolgreich, dass es jedes Jahr eine neue Jahresendshow gibt.

 

Durch eine geförderte Arbeitsmaßnahme konnten im August 1998 zwei Mitarbeiter für das Planetarium fest eingestellt werden. Die Förderung ging über ein Jahr. Weitere Anträge für langfristige geförderte ABM (Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen) wurden vom Land Brandenburg oder der Stadt Cottbus abgelehnt. Nur durch den Einsatz ehrenamtlicher Mitarbeiter konnte der Vorführbetrieb im Planetarium gesichert werden. Herr Thiele berichtete mir aber auch, dass dem Planetarium bis zum Jahr 2008 immer wieder mal Mitarbeiter durch geförderte Arbeitsmaßnahmen zur Verfügung  standen.

Dank der Fördermittel der Stadt Cottbus und der Euroregion Spree-Neiße-Bober (Arbeitsgemeinschaft Europäischer Grenzregionen, Brandenburg-Polen-Europa) konnte im Herbst 1998 das Foyer und die Kuppel des Planetariums für eine halbe Million Mark großzügig saniert werden.

Im November 1998 wurde der Förderverein, durch die Führsprache von Prof. Dieter Herrmann, ein Mitglied im Rat Deutscher Planetarien. Zu den halbjährigen Sitzungen des Rates reisten die Vorstandsmitglieder, die jedoch ihren Urlaub dazu opferten und keine finanzielle Unterstützung bekamen.

Im März 1999 empfahl der Bildungsausschuss der Stadtverordnetenversammlung die Übergabe des Planetariums an den Förderverein als eigenen Träger. Weil die Stadt Cottbus aber keine Zusagen zu Förderungen machen wollte, kam es nicht zur Übergabe. Dem Verein wurden jedoch mehr Rechte bei der Planetariumsarbeit eingeräumt.

Bei der Festveranstaltung am 26. April 1999, zum 25 jährigen Bestehen des Planetariums, fand eine Raumfahrtausstellung mit originalen Exponaten aus der Raumfahrt statt.

Im August desselben Jahres organisierten der Förderverein und der Sandower Bürgerverein die größte Planetariums Veranstaltung in ihrer Geschichte. Anlass war die totale Sonnenfinsternis. 2.500 Partygäste versammelten sich vor der Stadthalle.

Foto: Wikipedia

 

Am 31. August 1999 wurde Herr Thiele Geschäftsführer des Fördervereins. Der bisherige Geschäftsführer, Herr Dr. Peter Weschke, schied aus gesundheitlichen Gründen aus.

Anfang Oktober 2003 bekam das Planetarium erstmalig offiziellen Besuch von der Landesregierung Brandenburg. Die Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Frau Prof. Johanna Wanka, weilte im Planetarium.

Im April 2004, zum 30 jährigen Bestehen, sollte ein Planetenpark (mit Plastiken/Steelen) rund um das Planetarium bis zur 850 Jahrfeier  von Cottbus, im Jahr 2006, entstehen.

Foto: Dreamstime (Lizenz Freie Bilder)

Bei einem Maßstab von 1:10 Milliarden wird die Weite unseres Sonnensystems vorstellbar. Die Sonne wird durch die Planetariums Kuppel dargestellt. Der Sonne am nahesten liegende Merkur befindet sich im Planetarium. Die Erde mit einer Entfernung von 149 Millionen und 600 tausend  Kilometern befindet sich am Eingang zum Planetarium. Der Saturn bekommt seinen Platz in der Ludwig-Leichardt Allee und der Pluto, als entferntester Planet, steht  am See im Buga-Gelände.

Im Dezember 2005 ging der langjährige Mitarbeiter und Techniker, Herr Helmut Lehnigk, in den Ruhestand. Er hat aber auch noch heute regelmäßigen Kontakt zum Planetarium. Als Nachfolger trat der städtische Angestellte, Herr Jens Stahl, in die Fußstapfen von Herrn Lehnigk und erfüllte bis Ende Oktober 2007 seine Aufgaben im Planetarium.

Foto: Planetarium

Im Januar 2006 bekam das Planetarium eine neue Audioanlage. Sie wurde  von acht Azubis der Firma Vattenfall unter Anleitung des Lehrmeisters, Herrn Ingo Fischer, installiert.

Die 10 Lautsprecher wurden unter der Verkleidung des Kuppelsaals angebracht  und versprachen eine Tonwiedergabe in Dolby Surround  Qualität.

Bereits im Februar begannen im Auftrag des Fördervereins Baumaßnahmen im Planetarium.

In Hinblick auf die Tagung des Rates der deutschsprachigen Planetarien wurden das Foyer und die Toiletten grundlegend für mehrere tausend Euro saniert.

Am 7. und 8. Mai versammelten sich Gäste aus Österreich, der Schweiz, Niederlande Belgien und aus Deutschland zur zweitgrößten Planetariums-Konferenz der Welt in Cottbus. Bei dieser Konferenz wurde der Geschäftsführer  des Fördervereins des Cottbuser Planetariums, Herr Gerd Thiele, als Sprecher für die deutschsprachigen Planetarien gewählt. Er  vertrat seit seiner Wahl für zwei Jahre die Interessen der im Rat vertretenen Planetarien aus Österreich und Deutschland. Im November desselben Jahres fand auch die Herbsttagung des Rates Deutscher Planetarien in Cottbus statt.

Der Förderverein stellte im August 2007 erneut einen Antrag auf Übernahme des Raumflugplanetariums in freie Trägerschaft. Im Oktober plante der Bildungsausschuss der Stadt Cottbus bei einer Sitzung daraufhin, das Planetarium zum 1. Januar 2008 an den Förderverein als eigenständige Firma zu übergeben. Die Stadtverordneten-Versammlung bestätigte den Antrag und so wurde bereits am 1. November 2007 das Planetarium übergeben. Hauptamtlich tätig war nur Frau Brückner, als Sekretärin.

Gerd Thiele

Am 1. Januar 2008 übernahm Herr Gerd Thiele hauptamtlich die Leitung des Planetariums. Herr Thiele war vorher als Berufsschullehrer in der Cottbuser R. Welling-Schule tätig. Er erzählte  mir auch von seinen ersten Kontakten zum Planetarium. Sein Sohn Sebastian und ein Kindermusical spielten dabei eine Rolle.

Ende Januar 2009 schied Herr Kurt Newiak aus Altersgründen aus dem Vorsitz des Vereins aus. Sein Nachfolger im Amt wurde Peter Rahmfeld.

Foto: Planetarium

 

 

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