VEB Textilkombinat Cottbus (TKC)

 

70er Jahre
2019

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

In Cottbus gab es seit Jahrhunderten eine traditionell wachsende Textilindustrie. Zum Ende des 2. Weltkrieges befanden sich noch etwa 30 Tuch- und Teppichfabriken, Färbereien, Walk- und Veredlungsbetriebe in Cottbus. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs wurden die meisten Betriebe durch das sowjetische Militär enteignet oder verstaatlicht. Im Fünfjahrplan der DDR von 1966 bis 1970 war eine bedeutende Steigerung der Investitionen und des Außenhandelsumsatzes vorgesehen. In Vorbereitung des 20. Jahrestages der DDR beschloss das Politbüro im März 1968 zusätzlich umfangreiche Investitionsvorhaben. Eines davon war der Bau eines Textilbetriebes in der Textilarbeiterstadt Cottbus. Die Grundsatzentscheidung für den Bau des Werkes fiel vom Minister für Leichtindustrie, Hans Wittig, am 30.9.1968. Den Ausschlag für den Bau eines solchen Werkes könnte aber auch eine amerikanische Studie zur damaligen Zeit gegeben haben. Der Zeitzeuge Herr Frank Klaus erinnerte sich, dass ihm dies in der Berufsschule so vermittelt wurde. In dieser Studie wurde prognostiziert, dass im Jahr 2000 überwiegend die Technologie der Gestricke zur Stoffherstellung Anwendung finden würden. Man wollte die Zeit nicht verschlafen und auf dem Weltmarkt eine Spitzenposition einnehmen. Ein näher liegender Grund für den Bau war jedoch, dass für die Frauen der vielen männlichen Arbeitskräfte in der Energieregion Cottbus Arbeitsstellen geschaffen werden mussten. Die Aufgabe des Betriebes bestand darin, eine spürbare Verbesserung in der Versorgung der Bevölkerung mit qualitativ hochwertiger pflegeleichter und modischer Oberbekleidung aus texturierter Polyesterseide zu schaffen.

2. Entstehung des TKC

Bereits am 25.9 1968 führte die Bezirksleitung der SED Cottbus die 1. Parteiaktivtagung über das „Sonderprogramm Cottbus“ durch. Wenige Tage danach gründet sich der Kern des von der Partei berufenen Aufbaustabes. Zu ihnen gehörten viele Genossen aber auch parteilose Mitarbeiter. Für den Standort des neuen Werkes wurden von der Stadt Cottbus mehrere Vorschläge unterbreitet, berichtete Dipl.- Ing. Werner Siemers (damaliger Chefingenieur für Städtebau in Cottbus). Der Standort wurde dann aber letztendlich von der Parteiführung festgelegt. Das neue Werk sollte in Schmellwitz entstehen. Den Nordring gab es zu der Zeit noch nicht, so wurde der Bau als „Objekt an der Gerhart-Hauptmann-Straße“ bezeichnet. Für den Bau des Werkes musste eine Kleingartenanlage geopfert werden.

Unter Protest räumten hunderte von Kleingärtnern ihre Anlage. Fotos: Erich Schutt

Herr Schutt, damaliger Pressefotograf der Lausitzer Rundschau, vermutete, dass dies auch der Grund gewesen sein könnte, weshalb anfangs über den Bau des neuen Werkes in den Medien kaum berichtet wurde. Denn in der DDR war es sonst üblich, dass solche Vorhaben schon im Voraus gefeiert und gewürdigt wurden. Am 1. Oktober nahmen Bauarbeiter vom VEB Bau- und Montagekombinat ihre Arbeit auf dem Gelände einer ehemaligen Kleingartenanlage im Norden von Cottbus auf.
Das Gelände musste vor der Errichtung der Hallen saniert und erschlossen werden. Der symbolische erste Spatenstich erfolgte durch den Direktor des Aufbaustabes, Herrn Siegfried Eube, am 15. Oktober mittels einer Planierraupe. Im November erfolgte die Grundsteinlegung.
Nach altem Brauch wurde eine Urkunde über das neue Werk, Tageszeitungen und Münzen einbetoniert. Leider ist nicht überliefert, wo der Grundstein heute zu finden ist. Alle befragten Zeitzeugen vermuten, dass er sich im Bereich der ersten gebauten Halle befindet.
Am 1. Dezember erhielt der Betrieb den offizielle Namen „VEB Textilkombinat Cottbus“.

Fotos: Erich Schutt

Am 2. Januar 1969 begannen 150 Monteure des VEB Industriemontagebau Leipzig mit der Montage der 78 * 234 Meter großen 1. Produktionshalle. Zwei errichtete Tonnenhallen, die vor schlechtem Winterwetter schützten, dienten zur Vormontage der 12 * 18 Meter großen Dachsegmente. Täglich wurden bis zu 1400 m2 Dachfläche montiert.

Fotos: Erich Schutt

Sie wurden dann mit einem Autokran aus den Tonnenhallen gezogen und auf die Betonpfeiler der Produktionshallen gesetzt. Gleichzeitig wurden vorgefertigte Hallenwände zwischen den Betonpfeilern eingezogen. Am 30. Januar setzte der Autokran die Richtkrone auf das Dach der ersten Halle. Sie hatte eine Größe von 18000 m2. Zeitweise arbeiteten bei der Errichtung des neuen Werkes bis zu 1000 Bauleute und Monteure aus 50 Betrieben auf der Baustelle. Sie waren in Containern und Bauwagen untergebracht.

Fotos: Erich Schutt

Auch bei eisigen Temperaturen und an schneereichen Wintertagen lief die Montage weiter.

Fotos: Erich Schutt

Spitzenniveau hatte zur damaligen Zeit die Dauer der Bauzeit. Innerhalb von nur neun Monaten waren die ersten Werkhallen fertiggestellt worden, obwohl es beim Bau zu Zwischenfällen kam. So berichtete der Zeitzeuge Herr Johannes Brosdetzko, dass es bei der Verkleidung und Dämmung der Hallen durch Funkenflug beim Schweißen dreimal zu Bränden kam. Letztendlich wurden andere nicht brennbare Materialien verbaut.

3. Die Entwicklung des Textilkombinates Cottbus

Die Zeit von 1969 bis 1975

Im Jahr 1969 wurden die Tuchfabrik (Tufa), die Cottbuser Wolle und die Bekleidungswerke Cottbus (BeWeCo), die ihre Produktion auf Damenoberbekleidung umstellte, dem TKC zugeordnet. Im Februar wurden die ersten Mitarbeiterinnen zu Strickerinnen umgelernt. Zu ihnen gehörten die Weberin Anni Dargert aus der Cottbuser Wolle, Renate Krumreich, Waltraud Donay und andere Mitarbeiterinnen aus der Tufa.
Bereits am 16. April begann die Montage der ersten Mayer-Strickmaschinen, die aus der BRD importiert worden waren. Dies wurde jedoch in der Öffentlichkeit verheimlicht. Fünf Tage später lief der Probebetrieb an.

Fotos: Erich Schutt

Eine andere Mitarbeiterin war Frau Regina Engert. Sie war auch von Anfang an in der Strickerei beschäftigt. Sie wusste zu berichten, dass auch DDR Textima Strickmaschinen zum Einsatz kamen. Zum späteren Zeitpunkt wechselte Frau Engert in die Abteilung der Qualitätskontrolle und war dort bis 1980 tätig.

Fotos: Erich Schutt

Geplant war die Produktion von textilen Flächentuchen zur Herstellung von Oberbekleidungen. Dazu wurde in der Forschungsabteilung des Betriebes unter der Leitung des Direktors für Forschung und Entwicklung, Herr Joachim Heby, in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut für Textiltechnologie in Karl Marx Stadt eine Großrundstricktechnologie entwickelt.
Zulieferbetrieb für die Polyesterseide für das TKC war ab 1972 der VEB Chemiefaserwerk Guben. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde die Seide aus der BRD und der Schweiz mittels Valuta teuer eingekauft. Die beste Seide, erinnerte sich Frau Engert, war die aus der BRD.
Parallel zur Montage der Strickmaschinen wurden im Mittelbau 1 (erste Halle) ein Speiseraum, eine Kantine, eine Sanitätsstelle und Büros für die Leitung des Betriebes eingerichtet. Gleichzeitig sind auch die Westseite und die Halle 2 für die Texturierseideproduktion ausgebaut worden.
Die ersten Strickerinnen wiesen nun weitere Mitarbeiterinnen in die Bedienung der Maschinen ein. Nach der termingerechten Übergabe des ersten Bauabschnitts konnte somit am 30. Juni die Versuchsproduktion gestartet werden. Die Strickerinnen gingen schrittweise zur Mehrmaschinenbedienung über. Sie bedienten bis zu sechs Maschinen. Im Monat April und Mai führten die Mitarbeiterinnen erfolgreich ein 3 Schicht Test mit acht Maschinen durch.
Gleichzeitig mit der Übergabe des 1. Bauabschnitts (nach 135 tägiger Bauzeit) am 26. Juni, ging das Rechenzentrum mit der EDV Anlage R300 von Robotron in zwei extra dafür errichteten Gebäuden in Betrieb. Sie diente zur rechentechnischen Unterstützung, der Vorbereitung, Planung, Leitung, Abrechnung der Produktion und der Lohnabrechnung

Foto: Erich Schutt (LR)

Die Kollegen Corney und Schulz an der R300 (Robotron), der damals modernsten Anlage in den sozialistischen Staaten.

Im Juni wurde auch der erste Kommunalvertrag zwischen dem TKC und dem Rat der Stadt unterzeichnet. Er beinhaltete den Wohnungsbau für die Werktätigen, den Bau einer Betriebspoliklinik, ein Dienstleistungskomplex und den Bau von Kindereinrichtungen mit etwa 1000 Plätzen. Man ging davon aus, dass die Mehrzahl der Belegschaft Frauen sein werden.
Der polytechnische Unterricht für 70 Schulklassen wurde im TKC vorbereitet. Es war zu DDR Zeiten üblich, dass die Schüler ab dem siebten Schuljahr einen Tag im Monat im UTP Unterricht (Unterrichts Tag in der Produktion) die Abläufe in einem Betrieb kennen lernen sollten. Das Fach teilte sich in Theorie ESP (Einführung in die sozialistischen Produktion) und PA (produktive Arbeit). Mitunter waren sie auch an der Produktion aktiv beteilig.
Am 14. Juli 1969 waren die ersten Damenoberbekleidungen von der BeWeCo fertiggestellt worden. Ende August trugen 87,7 % der Versuchsproduktion in der Strickerei das Gütezeichen „Q“. Der Stoff erhielt zu Ehren des 20. Jahrestages der Gründung der DDR die Bezeichnung „Präsent 20“.

Auf der Leipziger Herbstmesse 1969 erhielt die Neuentwicklung eine Goldmedaille.
Fotos: Erich Schutt
Am 29. September 1969 erfolgte die feierliche Übergabe des ersten Bauabschnitts des Großbetriebes. Zu den Gästen des Festaktes wurden neben dem Mitglied des Politbüros des ZK der SED, Erich Honecker, auch der Minister für Leichtindustrie, Hans Wittig (r.) und der Generaldirektor Kurt Bullan (l.) begrüßt.

Zur feierlichen Übergabe gehörten die Strickerei, das Garnlager, ein Teilabschnitt der Konfektion, die Küche 1 mit Speisesaal und Klubraum sowie das erste Sozialgebäude und das Organisations- und Rechenzentrum. Die Produktionshalle war vollklimatisiert, denn bei der Verarbeitung der Seide mussten bestimmte klimatische Bedingungen vorherrschen. Die Klimaanlagen befanden sich in der Decke des Mittelganges. Der Fußboden in der Strickerei war mit Parkett ausgelegt. Das diente zur Lärmdämmung der Strickmaschinen.

Foto: Erich Schutt

Wie es in der damaligen DDR üblich war, gab es zu diesem Anlass viele Ehrungen und Auszeichnungen.

Generaldirektor Bullan (Foto unten links) erläuterte den Gästen das neue Werk anhand eines Modells. Der Investitionsaufwand für das TKC wurde mit 90 Mio. Mark beziffert. 30 Mio. Mark davon verschlang allein der Bau des Werkes. Mit der Inbetriebnahme des Werkes waren jährlich 5 Mio. Quadratmeter Flächengewebe geplant, die für die Herstellung von 1,1 Mio. Kostüme und Anzüge reichen sollten.

Foto: Erich Schutt
Skizze: Tiefbaukombinat Cottbus (TBK)
Skizze bearbeitet

Auf der linken Skizze ist der ursprüngliche Bauplan des Werkes dargestellt. Aus Kostengründen wurde er nicht so, wie auf der rechten Skizze zu erkennen ist, verwirklicht. Beim anschließenden Eröffnungsrundgang erkundigte sich Erich Honecker beim Generaldirektor Kurt Bullan über die Abteilungen des Werkes.
Weniger bekannt ist der Bau von mehreren Luftschutzbunkern für die Zivilverteidigung auf dem Gelände, berichtete Herr Brosdetzko. Der Elektromeister für Baustrom bewarb sich 1970 beim TKC. Nach Beendigung der Baumaßnahmen herrschte kein Bedarf mehr an Elektromonteuren. Er qualifizierte sich anschließend zum Ingenieur für Automatisierung und war dann als Bauleiter für Sonderaufgaben beim TKC bis 1982 beschäftigt.
Im Stammbetrieb entstanden zwei Werke. Das Werk Fläche umfasste alle vorbereitenden Arbeiten bis hin zum Gestrick. Das Werk Konfektion war für die Herstellung der Damenoberbekleidungen verantwortlich. Die Produktion der Herrenoberbekleidungen übernahm der Kombinatsbetrieb in Dresden.
Frau Sylvia Töpper, die ihre Lehre als Industrieschneiderin im VEB Herrenmode Dresden begann und sich in den Jahren von 1967 bis 1970 in der Forster Ingenieurschule für Textiltechnik zum Ingenieur ausbilden ließ, war seit 1970 Mitarbeiterin im TKC. Sie arbeitete zunächst in der Abteilung Technologie. Später wurde sie Gruppenleiterin und technische Leiterin in der Konfektion. Sie erzählte, dass der VEB Herrenmode Dresden für die Herstellung von Herrenoberbekleidung (Anzüge, Sakkos, Hosen) und Cottbus für die Herstellung der Damenoberbekleidung(Kostüme, Hosenanzüge, Jacken, Röcke, Hosen) zuständig waren. Zu Cottbus gehörten auch die Betriebsstätten Forst, Lauchhammer, Hoyerswerda und Peitz. Dort wurden die in Cottbus zugeschnittenen und vorgefertigten Teile ausschließlich zusammengenäht. Danach wurden sie wieder nach Cottbus zur Endfertigung transportiert. In der Endfertigung wurden die Bekleidungsstücke noch gesäumt, Knöpfe angenäht, gebügelt, kontrolliert, verpackt und zum Versand bereitgestellt. Aus heutiger Sicht wäre diese Abfolge der Produktion undenkbar und ineffektiv.
Durch den Übergang auf die Achtfachbedienung der Großrundstrickmaschinen (GRS) konnten die Leistungen um die Hälfte über dem Weltstand erhöht werden. Weltweit war bis dahin nur die Fünffachbedienung der Maschinen üblich. Zum Ende des IV. Quartals wurde eine Flächenmenge für 70.000 Damenkostüme und 46.000 Herrenanzüge produziert. Jede Strickerin produzierte 100 m2 pro Stunde. Das entsprach einer Steigerung der Produktivität um 300% seit der Produktionsaufnahme. In der Strickerei wurde nach und nach der Maschinenpark bis auf 216 GRS erweitert. Dadurch stieg die Herstellung der Tuche von 5 Mio. auf 14,3 Mio. Quadratmeter in den achtziger Jahren. 120 Strickerinnen waren zu der Zeit an den Maschinen beschäftigt.
Insgesamt waren in den Abteilungen diesen Werkes 278 Mitarbeiter beschäftigt. Damit konnte der Binnenmarkt versorgt werden. Ein großer Teil der weiteren Produktion, rund 80%, wurde ins kapitalistische Ausland zur Devisenbeschaffung und in die sozialistischen RGW Staaten exportiert. Der Handel innerhalb der RGW Staaten basierte auf Tauschgeschäften. Der Wert einer exportierten Ware wurde festgelegt, um dann wiederum im selben Wert andere Waren zu importieren.

Foto: Erich Schutt

Lehrer Horst Zieger, Direktor für Sozialökonomie, unterrichtet hier in einer Meisterklasse der Betriebsakademie.
Bis 1975 erhöhte sich die Anzahl der Facharbeiterinnen gegenüber 1970 um das 4,7-fache, weiblichen Meister um das 3,8-fache und Hoch- und Fachschulkader auf das 2,5-fache.

Am 1. September 1969 wurde die Betriebsakademie in der Ewald-Haase-Straße eröffnet. Das Programm umfasste 11 Lehrfächer. Man konnte sich zu Facharbeitern und Meistern qualifizieren lassen. Eine Qualifizierung zum Ingenieur erfolgte an der Forster Ingenieurschule für Textiltechnik.

Ab Januar 1970 erhielt das TKC eine neue Struktur. Das Cottbuser Werk wurde Stammbetrieb. Es wurde ein Teilbetrieb des Kombinates. Die ehemaligen Betriebe VVB Volltuch, die VEB Forster Tuchfabrik, Gubener Wolle, Spremberger Textilwerke, Feintuch Finsterwalde, Wolltuch Luckenwalde, Oberlausitzer Wolltuchfabrik Görlitz sowie der VEB Herrenmode Dresden und viele andere wurden Kombinatsbetriebe. Neben der Strickerei wurden 1970 weitere Abteilungen der Garnvorbereitung und Veredelung gegründet. Der Probebetrieb der Texturierung (Veredelung) begann mit der Aufstellung von sechs französischen Maschinen der Firma ARCT. Diese Tandemmaschinen konnten texturieren und auch fixieren.
Im April des folgenden Jahres konnten sie in die Produktion im Rollenschichtsystem übernommen werden. Bei diesem Vorgang der Texturierung wird den Garnen eine Kräuselstruktur verliehen, um ihnen eine Charakteristik wie Wolle oder Baumwolle zu geben. An den 24 Texturier Maschinen waren etwa 190 Produktionsarbeiter beschäftigt. Ab dem Jahr 1988 bekam diese Abteilung Unterstützung von kubanischen Mitarbeitern, erinnerte sich Herr Klaus. Diese Maschinen waren sehr laut, so dass mit Gehörschutz gearbeitet werden musste.
Der Kommunalvertrag zwischen dem TKC und der Stadt wurde erweitert. Er sah den Bau der Betriebsberufsschule mit Internate im Bildungszentrum der Stadt vor. Für den Stammbetrieb sollten 800 Wohnungen gebaut werden.

Foto: Erich Schutt

Ein Höhepunkt in diesem Jahr war der Besuch vom Walter Ulbricht und dem Sudanischen Staatsoberhaupt Dschafar an Numairi im Stammbetrieb.

Im September 1970 wurde Erhard Haschker zum Generaldirektor berufen. Walter Kahl wurde stellvertretender Generaldirektor. Der bisherige Direktor, Kurt Bullan, übernahm aus gesundheitlichen Gründen, so die offizielle Version, eine andere leitende Tätigkeit im Betrieb.
Im November konnte die erste Kindereinrichtung in der Richard-Wagner-Straße übergeben werden. Sie befand sich 100 Meter vor dem Werkseingang, und bot 144 Kindergartenkindern und 64 Krippenkindern ein Zuhause.

Fotos: Erich Schutt
Foto: Erich Schutt

Sommerferien am Pastlingsee

Jährlich erholten sich hier bis zu 450 Kinder der Werktätigen des Stammbetriebes im betriebseigenen Ferienheim.
Das Betriebsferienlager wurde ebenfalls zu dieser Zeit erweitert.
Es gab ein weiteres Ferienlager von der Tufa in Bielatal in der Sächsischen Schweiz.

Foto: Erich Schutt
Bei der Lehrlingsausbildung in der Betriebsberufsschule (Ewald-Haase-Straße) lernten die auszubildenden Jugendlichen die Herstellung von Ersatzteilen für den eigenen Maschinenpark. Von 1970 bis 1975 konnten somit über 700 Ersatzteile durch Eigenfertigung eingesetzt werden.

Im Frühjahr 1971 begann die Montage der Ringzwirnmaschinen mit den deutschen Maschinen RZ 6 und den sowjetischen Maschinen vom Typ TK 200. Beim Ringzwirnen werden Garne zu einem Faden zusammengedreht. Ab Mai begann die Produktion, ohne die sowjetischen Maschinen. Sie waren für diesen Produktionsprozess nicht geeignet.
Am 21. April wurde die modernste Texturseidenfärberei der damaligen Zeit in Betrieb genommen. Entwickelt, gebaut und installiert wurde diese Anlage von einer Schweizer Firma unter Aufsicht der Staatssicherheit, um Wirtschaftsspionage zu verhindern. Die Arbeitsgänge der Färbeprozesse wurden durch eine Steuerzentrale kontrolliert und gesteuert. Es wurde zur damaligen Zeit immer nur die Seide auf den Spulen gefärbt und keine fertiggestellten Stoffe.
Am 23. April wurde ein Patenschaftsvertrag mit der 17. POS „Ernst Schneller“ unterzeichnet. Es war in der DDR üblich, dass Kollektive und Brigaden eines Betriebes eine Patenschaft für eine Schulklasse übernahmen. Für die Brigaden brachte es Pluspunkte im sozialistischen Wettbewerb und die Schulklassen profitierten ebenfalls. So gab es meist finanzielle Unterstützungen bei Klassenfahrten und man stand den Schülern mit Rat und Tat an der Seite.
Am 23. April erfolgte auch durch Generaldirektor Walter Kahl die Grundsteinlegung für die zweite Kindereinrichtung in der Gerhart-Hauptmann-Straße, gegenüber dem TKC.
Die Konerei, in der polnische Präzisionsspulmaschinen installiert waren und die Ringzwirnerei wurden im Monat Mai in Betrieb genommen. Vom 26. bis 28. Juni fand das erste „Fest der Textilarbeiter“ statt.

Ab dem 18. Februar 1972 erfolgten schrittweise mehrere Umzugsetappen. Es galt die externen Betriebsstellen an nur einen Ort zu konzentrieren um Transportwege einzusparen. In Halle 7 sollte die zentrale Vorarbeit, die Endfertigung, die Bügelei und das Fertigwarenlager untergebracht werden. Der Zuschnitt und die Konfektionsnähbänder der beiden anderen Abteilungen fanden in Halle 8 ihr neues Domizil. Bis 1975 war mit dem vollständigen Umzug der Maschinen und der Mitarbeiter aus den Zweigbetrieben und die Konzentration der Fertigungsstufen von der Veredelung der Seide bis zum fertigen Erzeugnis an nur einem Standort abgeschlossen worden.
Das TKC (Stammbetrieb) wurde Ausstatter der DDR Mannschaft zu den olympischen Sommerspielen in München.

Fotos: Erich Schutt

Auf Grundlage eines Abkommens der DDR und der VR Polen begann die Ausbildung 50 polnische Kolleginnen zu Bekleidungsfacharbeiterinnen. Es folgten weitere 150 Ausbildungen. Alle Mitarbeiterinnen wurden vom TKC anschließend übernommen.

Im September wurde im Bildungszentrum von Cottbus die Betriebsberufsschule „M. I. Kalinin“ (Michail Iwanowitsch Kalinin, von 1923- 1946 Vorsitzender des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR), einschließlich eines Internats übergeben. Es konnten etwa 600 junge Facharbeiter für Textil- und Konfektionsberufe sowie Mechaniker ausgebildet werden. Ab 1973 gab es auch eine Berufsausbildung mit Abitur Fachrichtung Anlagentechnik.

Ein Dokument aus dieser Zeit ist der Lehrvertrag des Lehrlings Olaf Arnold. Er begann seine Lehre als „Facharbeiter für Anlagentechnik mit Abitur“ am 1. September 1973. Die Lehrzeit in der DDR erstreckte sich in der Regel über zwei Jahre. Bei Berufen mit Abiturabschluss verlängerte sich die Ausbildungsdauer um ein Jahr.

Lehrvertrag O. Arnold

Nach der Ausbildung war man stolz den Facharbeiterbrief in den Händen zu halten.

Facharbeiterzeugnis mit Abitur O. Arnold

In der Konfektion wurde durch betriebliche Forschungsarbeit die Frontfixierung zu Verbindung zweier textiler Stoffe eingeführt. Bei diesem Vorgang wird der Vorderteil des Stoffes mit Einlagen verstärkt. Dieses Verfahren hat eine hohe Repräsentationsgüte und ist beständig gegen Reinigung und Verschleiß.

Im Januar 1973 ist die Verlagerung der Abteilung Flächenveredelung aus dem Werk in der Ewald-Haase-Straße (ehemals Cottbuser Wolle) in die Halle 5 abgeschlossen worden. Alle Kollegen konnten nun mit der modernsten Technik arbeiten.

Fotos: Erich Schutt

Zu Beginn des desselben Jahres konnte die Küche 2 mit Speise- und Versammlungsaal in Betrieb genommen werden. Sie befand sich im Bereich der Konfektionsabteilung. Die Küche stellte auch die Pausenversorgung am Arbeitsplatz sicher, was sich mitunter schwierig gestaltete. Denn schon bevor der Versorgungswagen in die Abteilungen geschoben wurde, standen viele Mitarbeiterinnen Schlange und warteten auf die Versorgung. Herr Klaus erinnerte sich, dass die Küche 2 viel größer als die erste Küche war. Das Essen hatte allen Mitarbeitern immer geschmeckt. Gedränge gab es nur, wenn eine Küche mal wegen Desinfektion für einen Tag geschlossen war.

Foto: Erich Schutt
Zum 1. Mai trat der Spielmannszug des Stammbetriebs mit einheitlicher „Präsent 20“-Bekleidung auf.
Foto: Erich Schutt
Diplomingenieur Siegfried Bauch wurde vom Ministerium zum Generaldirektor ernannt.

Im Januar 1975 ereignete sich ein tragischer Flugzeugabsturz, bei dem das Werk in Cottbus knapp einer Katastrophe entgangen war. Bei einem Übungsflug einer Militärmaschine vom Typ MIG 21 fiel durch eine nicht fachgerechte Wartung das Triebwerk aus.

Aus Dokumentation ZDFinfo (ZDF 2016): Die größten Unglücke der DDR (1)

MIG 21 im Wohnblock Schmellwitzer Straße 2

ebenda, siehe auch Video

Der Pilot schaffte es noch die Maschine über das Werk und den Kindergarten zu fliegen. Er missachtete dabei den Ausstiegsbefehl, versuchte noch den Nordfriedhof anzusteuern und stürzte dann leider in ein Wohnblock in der Schmellwitzer Straße 2. Der Wohnblock gehörte zu den Wohnheimen des TKC. Es gab 16 schwerverletzte Personen und sechs Personen, die das Unglück nicht überlebten, darunter auch der Pilot.

Video – Absturz MIG 21 TKC-Wohnheim Schmellwitzer Straße

1975 wurde auch, gemäß dem unterzeichneten Kommunalvertrag zwischen dem TKC und der Stadt Cottbus, der vereinbarte Dienstleistungstrakt übergeben. Es handelte sich um das Sozialgebäude (dem heutigen Ärztehaus) und eine Kaufhalle. Im rechten Teil des Sozialgebäudes befand sich der Sitz der Betriebs- und Kombinatsleitung. Die Kombinatsleitung und die Erzeugnis Entwicklung zogen zu einem späteren Zeitpunkt jedoch in die Berliner Straße um. Auf der gegenüberliegenden Seite des Gebäudes befand sich die Poliklinik mit vielen Arztpraxen. So gab es zum Beispiel Praxen für Allgemeinmedizin, einen Augenarzt, einen Zahnarzt und eine Physiotherapie.

Foto: Bernd Choritz

Im Anbau befanden sich eine Kaufhalle, ein Frisör und ein Kosmetiksalon. Die Kaufhalle hatte bereits ab 6 Uhr geöffnet, womit man gleich nach der Nachtschicht einkaufen gehen konnte.

Die Anzahl der Mitarbeiter wuchs seit der Übergabe des Werkes und der Gründung des Kombinates auf etwa 4000 im Stammbetrieb an. Allein in der Konfektion waren etwa 1000 Mitarbeiterinnen beschäftigt. Es gab 160 Brigaden und Kollektive. Der Arbeitsbeginn im Zweischichtsystem in der zentralen Vorarbeit, dem Zuschnitt und Endfertigung mit der Bügelei sowie der Konfektion begann für die Frühschicht um 5.30 Uhr. Die 2. Schicht begann ihre Arbeit um 14.00 Uhr und beendete sie um 22.30 Uhr. Die Strickerei arbeitete im Dreischichtsystem. In vielen Abteilungen wurde aber auch rund um die Uhr gearbeitet. Die Ringzwirnerei, Texturierung und Wasseraufbereitung arbeitete sogar in vier Schichten („rollende Woche“), das diente der Auslastung der Maschinen.

Foto: Bernd Choritz
Foto: Erich Schutt

Das Foto zeigt den zweiten Werkseingang in der Richard-Wagner-Straße. Alle Eingänge durften nur mit gültigen Betriebsausweisen betreten werden.

Der erste Werkseingang befand sich, nach der Eröffnung des Betriebes, in der Gerhart-Hauptmann-Straße. Das ist auch der Eingang zum heutigen Einkaufszentrum.
Foto: Bernd Choritz

Nach dem Bau des Sozialgebäudes, um 1975, konnten die Werktätigen über einen dritten Eingang (am heutigen Ärztehaus) zu ihren Umkleideräumen gelangen.

Foto: G. Heimhilger

Es gab noch einen vierten Eingang. Das war aber nur eine Einfahrt für Warenlieferungen und Warenauslieferungen.

 

Die Zeit von 1976 bis 1980

Im Jahr 1976 verfügte das TKC bereits über drei Wohnheime mit 450 Plätzen. Im Februar wurde ein weiteres modernes Heim mit 128 Plätzen übergeben.
Im selben Jahr wechselte Dieter Puder vom VEB Volltuch Luckenwalde nach Cottbus. Der gelernte Dissipateur (Mustermacher) war dort von 1970 bis 1976 Betriebsdirektor. In Cottbus wurde er als stellvertretenden Generaldirektor eingesetzt. Ab 1978 war er zehn Jahre lang Betriebsdirektor. In den letzten Jahren bis zur Wende leitete er als Direktor die Produktionsabteilung.
Der DDR Markt war bis dahin mit Präsent Bekleidung gesättigt. In der Forschung und Entwicklung galt es die Stoffe ansehnlicher und tragefreundlicher zu gestalten. Ein Resultat aus der Forschungsabteilung war der Stoff „Jersey Flanell“. Auf der Leipziger Frühjahrsmesse wurde der Stammbetrieb für die Entwicklung des Produktes wiederum mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.
1976 fand im Stammbetrieb ein Praktikum für Wirtschaftskader aus Entwicklungsländern statt. Die Teilnehmer kamen aus Ostasien, Ozeanien, Afrika sowie aus Mittel- und Südamerika. Ihnen wurde die Leitung und Planung eines sozialistischen Industriebetriebes durch den Direktor der Ökonomie, Richard Würbel, vermittelt. Diese Schulung wurde auf der Grundlage eines Ministerrat Beschlusses im Rahmen eines interregionalen Trainingskurses über Industrieplanung im Auftrag der UNIDO durchgeführt.
Am 5. Oktober 1976 wurde die ehemalige private Gaststätte „Kaisers“ in der Schmellwitzer Straße gekauft und als Kulturhaus der Textilarbeiter genutzt. Das erste Kulturhaus des TKC befand sich bis dahin in der Feigestraße. Herr Brosdetzko erinnerte sich, dass zuvor eigentlich ein Neubau als Kulturhaus geplant war.
Alle kulturellen Veranstaltungen fanden seitdem im erworbenen Gebäude statt, wie zum Beispiel die Kindertage am 1. Juni im dazugehörigen Garten. Die Volkskunst spielte im TKC eine große Rolle und wurde auch durch den Betrieb gefördert.

Foto: Erich Schutt – Kindertag
Foto: Erich Schutt (LR) – Singegruppe der Betriebsberufsschule

Im Laufe der Jahre bildete sich ein Amateurfilmstudio, dessen Filme mitunter im DDR Fernsehen gesendet wurden. Gegründet wurde dieses Studio 1973 von drei TKC Mitarbeitern, die zuvor ihre Leidenschaft zur Filmerei mit Schmalfilmkameras entdeckten. Einige Jahre später zählte das Studio unter Leitung von Herrn Hubert Andörfer 10 Mitglieder. Bis zur politischen Wende gab es 24 Filmprojekte, von denen 18 realisiert wurden.
Des Weiteren gründete sich ein Arbeitertheater, welches 1978 bei den 17. Arbeiterfestspielen in Suhl eine Goldmedaille für die Inszenierung „Die Gewehre der Frau Carrar“ von Bertold Brecht errang. Bei den 18. Festspielen im Bezirk Rostock wurde eine weitere Goldmedaille errungen.
Weiterhin wirkten im Betrieb die Freiwillige Feuerwehr, die Sektion Motorsport der GST, eine Einheit der Zivilverteidigung und eine Hundertschaft der Kampfgruppen.

Fotos: G. Heimhilger
1976 wurde ein Relief des Dresdner Bildhauers Johannes Peschel enthüllt. Der Schriftzug „Alles für das Wohl des Volkes“, welcher sich rechts neben der kleinen Treppe befindet wurde von einem anderen Künstler geschaffen. Die Beschäftigten sahen es wenn sie aus den Werkhallen, Büros oder der Kantine kamen. Leider ist niemand mehr für diese künstlerischen Werke verantwortlich und so wird die Natur in einigen Jahren das Denkmal hinter Büschen und Sträuchern verschwinden lassen.

Ab dem Jahr 1977 fanden viele asylsuchende Lateinamerikaner aus Chile und Uruguay eine neue Heimat in Cottbus. Nach dem RAW, dem Krankenhaus und der Druckerei in der LR war das TKC wichtigster Arbeitgeber für die Emigranten. Am 4. März erwarteten deutsche und südamerikanische Bürger den Generalsekretär der Kommunistischen Partei Uruguays, Rodney Arismendi. Er besuchte außer dem TKC das Bildungszentrum, Solidaritätsveranstaltungen und eine Kinderkrippe in Sandow.

Fotos: Erich Schutt (LR)
Foto: Wikipedia
1977 begann der Bau eines Einkaufszentrums an der Stadtpromenade. In diesem Geschäftsterrain erhielt das TKC seinen neuen Industrieladen. Es wurden Konfektion und Stoffe verkauft. Herr Brosdetzko berichtete, dass er bereits Anfang der 70er Jahre in Berlin die Aufgabe hatte einen Industrieladen für das TKC einzurichten. Der Laden befand sich in der Karl-Marx-Allee, direkt neben dem „Haus Budapest“.
Foto: G. Heimhilger
Am 31. Oktober 1977 wurden dem Stammbetrieb als Ersatz für abgegebene Objekte ein Kindergarten mit 72 Plätzen übergeben. Die Anzahl der eigenen Kindergärten erhöhte sich somit auf sechs. Auf diesem Foto ist der ehemalige Kindergarten in der Gerhart-Hauptmann-Straße zu erkennen. Heute befindet sich ein Anwaltsbüro in dem Gebäude.

Ab Januar 1978 erfolgte die Montage der ersten Texturier Maschinen TK 600 aus der CSSR zum Probebetrieb. Am 16. Juni wurden diese in die Produktion übernommen und sind bis zur Wende gelaufen. Die Angebote der Präsentsortimente auf Compose, Flanell, Mouline und Spunlook erweitert. Insgesamt sollten in dem Jahr acht Erzeugnisse weiterentwickelt werden und im Folgejahr nochmals 10 Erzeugnisse. Noch im Jahr 1978 sollte das gemeinsame Projekt mit dem Bezirkskrankenhaus „Ledigenwohnheim Hufelandstraße“ verwirklicht werden. Es wurden zwei mehrstöckige Neubaublöcke errichtet. In einem Wohnheim waren überwiegend die polnischen Mitarbeiterinnen vom TKC untergebracht. Das andere Wohnheim gehörte zum Krankenhaus.

Infolge eines extremen Wintereinbruchs mit klirrender Kälte Anfang Januar 1979 kam es in der gesamten DDR zu Produktionsausfällen, so auch im TKC. An der Dampfleitung gab es eine Havarie, die aber bereits vom 4. zum 5. Januar von den Mitarbeitern der Hauptabteilung Energiewirtschaft behoben werden konnte. Um den Planrückstand wieder aufzuholen, verpflichteten sich viele Kolleginnen und Kollegen bis zum Monatsende Sonderschichten zu leisten. Sie wurden bezahlt und es gab auch materielle Anreize. So konnten die Mitarbeiter die begehrten „Präsent 20“ Stoffe erwerben, erinnerte sich Herr Klaus. Weitere Planrückstände konnten bis Ende Februar aufgeholt werden. Im Juli wurden sechs weitere tschechische Texturier Maschinen vom Typ TK 600 in der Zwirnerei eingesetzt. Die Stückfärberei wurde durch zwei weitere Färbeapparate erweitert, somit konnten auch Stoffe gefärbt werden. Am 15. August wurde ein weiteres Wohnheim mit 175 Plätzen übergeben. Dort fanden auch ausländische Arbeitskräfte Ihre Unterkunft.

Foto: Erich Schutt
Im September begannen 15 mongolische Jugendliche an der Betriebsberufsschule eine Ausbildung als Schlosser.

Zum 30. September endete im Stammbetrieb die Montage für die Teppichversuchsproduktion Dedotex, welche im August des folgenden Jahres starten sollte.

Foto: Erich Schutt
Mit dem Beginn der Montage des Großrechners EC 1040 von Robotron begann im Rechenzentrum des TKC eine neue Ära. Die neue Anlage ging am 7. November in Betrieb. Der Leiter des Rechenzentrums, Wolfgang Noack, wurde für seine Arbeit bei der Umstellung der Systeme vom Betriebsdirektor Dieter Puder ausgezeichnet.
Foto: Erich Schutt
Auf der Leipziger Herbstmesse wurde das Stammwerk mit einer dritten Goldmedaille für das Cord-Cotele Programm ausgezeichnet. Es war ein festes Gewebe mit Rippenmuster.

Am 30. August 1980 begann im TKC mit 60 Mitarbeitern die Veredelungsproduktion von gezwirnter fixierter Dedotexpolyamidseide aus dem Chemiefaserwerk Guben für die Herstellung velourartiger Teppiche für das Teppichwerk in Malchow. Die Fasern wurden hier veredelt und gefärbt. Man versuchte eine weitere Produktionspalette auf dem Markt zu bringen. Waren es im ersten Jahr 700 Tonnen, die veredelt wurden, so stieg die Produktion bis zum Ende des Jahrzehnts auf über 7000 Tonnen an.

Foto: Erich Schutt

Bei einem Meeting wurde diese Produktion vom Mitglied des ZK, Wolfgang Herger, als Jugendobjekt an vier Brigaden übergeben. Drei davon waren Jugendbrigaden.

In einer Analyse wurden die Errungenschaften des letzten Jahrzehnts des Werkes aufgelistet. Von 1970 bis 1980 wurden dem TKC vom Rat der Stadt Cottbus 710 Wohnungen zur Verfügung gestellt. Seit 1976 wurden aus den Kultur- und Sozialfonds des Betriebes 6,8 Mio. Mark für die Kindereinrichtungen, 2,9 Mio. Mark für die gesundheitliche Betreuung der Kollegen und 8,2 Mio. Mark für die Arbeiterversorgung und das Werksessen zur Verfügung gestellt.

 

Die Zeit von 1981 bis 1985

Im Januar 1981 wurde die Betriebsstätte in Lauchhammer modernisiert, um bessere Arbeits- und Lebensbedingungen für 75 Werktätige zu schaffen. Herr Brosdetzko berichtete, dass die in dieser Betriebsstelle Beschäftigten in Baracken ihre Arbeit verrichteten. Die Baracken wurden abgerissen und es wurden unter seiner Leitung ohne Produktionsunterbrechung Container aufgestellt. Weitere 211 Arbeitsplätze wurden im TKC umgestaltet. So wurden zum Beispiel weitere Pausenecken am Arbeitsplatz eingerichtet. Die Arbeitsbedingungen konnten dadurch wesentlich verbessert werden.

Fotos: Frank Klaus
Auf diesem Foto von Frank Klaus ist eine Kaffeepause mit seinen Kollegen festgehalten. Herr Klaus hatte 1970 eine Lehre als Mechaniker in Lauchhammer begonnen. Er beendete sie in Cottbus. Später bildete er auch Lehrlinge aus. Sein Fernstudium in Fachrichtung Instandhaltung beendete er 1986 als Ingenieur. Später wechselte er als Technologe in die Abteilung Texturierung.

Das Kollektiv um Herrn Klaus war für Havarien, Reparaturen und die Einrichtung und Umstellung der Maschinen auf andere Muster oder Gestrick Arten in der Strickerei verantwortlich. Wenn eine Maschine nicht richtig lief oder umgerüstet werden sollte, zog er mit seinen Kollegen und dem Werkzeugwagen zur den defekten Maschinen und reparierte sie oder rüstete sie um.

Auf dem Foto vor den Igelwagen, mit den aufgehängten Garnspulen, ist Herr Klaus mit seinen beiden Kollegen startbereit für einen Einsatz.
„Das war mein erster „Trabi““ schmunzelte  der Mechaniker.

Die Mechaniker Brigade war bei den Mitarbeitern hoch angesehen, denn sie reparierten alle mechanischen Maschinen bei einem Defekt sofort. Somit kam es nur zu kleineren Ausfällen in der Produktion.

Auf diesem Foto repariert Siegried Goldberg in der Konfektionsabteilung eine Nähmaschine. Diese Einsätze wurden von der Betriebsleitung zu besonderen Anlässen gewürdigt. Es gab dafür zahlreiche Urkunden.

Foto: Jürgen Kaffka

Im selben Jahr standen den Werktätigen, zusätzlich zu den Erholungsreisen des FDGB, noch 1226 Reisen in Erholungseinrichtungen des Betriebes zur Verfügung. Eine weitere Sonderaufgabe von Herrn Brosdetzko war der Ausbau des Kinderferienlagers am Pastlingsee. Hier wurden zusätzliche Bungalows aufgestellt. Es entstanden ein Minigolfplatz, ein Schießstand und eine Tischtennisplatte wurde aufgebaut.
Ende August wurde der Betriebsteil in der Ewald-Haase-Straße an die Wärmeversorgung des Schlachthofes angeschlossen. Dadurch konnten jährlich 200 t Heizöl eingespart werden.

Am 16. Dezember erfolgte die Übergabe einer spanischen computergesteuerten Gradations- und Schnittbildoptimierungsanlage „Investronica“ mit den dazugehörigen Programmen an den Betrieb. Es wurden Schnittbilder auf Heisssiegelpapier gezeichnet, die auf die Stofflagen aufgebügelt wurden und nach deren Konturen zuerst manuell ausgeschnitten wurde. Später wurde eine automatische Zuschneide Anlage, ebenfalls von Investronica, an das System angeschlossen. Dadurch erfolgte das Ausschneiden automatisch. Durch Einsatz der neuen Maschine erhielten die Stoffe ein exaktes Schnittbild und das Ausschneiden verschiedener Größen nach Tabellen war möglich. Das war damals die neueste Technologie auf dem Weltmarkt. Frau Töpper erinnerte sich, dass es vor der Inbetriebnahme dieser Anlage in den 70er Jahren eine Zuse-Anlage von Siemens gab, die die Gradation (Erstellung verschiedener Konfektionsgrößen) vornahm. Danach waren noch zwei Anlagen von Gerber Markamatik für die Gradation und Erstellung der Schnittbilder in Betrieb. Die Nachfrage nach exquisiter Bekleidung war in der DDR gestiegen. Daher bekam das TKC den Auftrag, Mode im gehobenen Stil zu produzieren.
Ab 1981 wurde auch zusätzlich Jugendmode entwickelt und hergestellt. Trotz der Herstellung von 11.000 Stück Damenbekleidung für die Jugendmode, konnte das vorgegebene Planziel im Werk für die Jugendmodekonfektion erstmals nicht erreicht werden.

Im Januar 1982 begann die zweijährige Rekonstruktion des Kulturhauses. Während dieser Zeit fanden die Kulturveranstaltungen im Speisesaal der Küche II und im VEB BuS Welzow statt. Am 27. und 28. April 1984 wurde das Kulturhaus mit Festveranstaltungen wieder eröffnet.
Durch die Mitarbeiter der Erzeugnisentwicklung wurden verschiedenste Stoffflächen mit naturhaftem Aussehen entwickelt. Das diente dem Ziel, das Warenangebot attraktiver zu gestalten.

Foto: Dieter Puder

Bei der Leipziger Frühjahrsmesse erhielt das TKC eine weitere Goldmedaille für das Exponat „Modische Kostüme im Multicoloreffekt“.

Am 11. Mai begannen 50 vietnamesische Bürger im Rahmen der Erwachsenenqualifizierung eine Ausbildung zum Facharbeiter.
In der Kinderkombi II begann die Umstellung der Tageskrippe in eine Wocheneinrichtung. Die Betreuung der Kinder wurde durch diesen Umzug in der Inselstraße in ein neu renoviertes Gebäude verbessert.
Ab September erhielten 108 ausländische Bürger aus der Mongolischen Volksrepublik, aus dem Jemen, Mozambique, Vietnam und Palästina eine Facharbeiterausbildung.
Anfang November wurde vom VEB Chemiefaserwerk Guben und dem TKC eine Forschungsgruppe gebildet, dessen Aufgabe die Neuentwicklung von Chemieseiden für neue Sortimente war.

Im Jahr 1982 wurde mit der Neubildung von Kombinaten in der DDR auch das TKC umgebildet. 54 Betriebe aus vielen anderen Bezirken mit unterschiedlichsten Produktionserzeugnissen wurden dem TKC angegliedert. Das Cottbuser Werk war weiterhin Stammbetrieb und nannte sich nun „Textil und Konfektionsbetrieb Cottbus“.

Fotos: Erich Schutt

Am 19. April 1983 erwarteten die mongolischen Werktätigen im TKC hohen Staatsbesuch aus Ihrer Heimat.

Der Vorsitzende des Ministerrates der Mongolischen Volksrepublik Shambyn Batmunch und Willy Stoph im Gespräch mit Direktor Dieter Puder und TKC Mitarbeiterin Kerstin Braun.
Fotos: Dieter Puder
Nach dem Werksrundgang trug sich der Gast aus der mongolischen Volksrepublik ins Gästebuch des TKC ein.

Anfang September feierte das Polytechnische Zentrum des TKC sein 10-jähriges Bestehen. In diesem Jahr wurden 2000 Schüler von 24 Lehrkräften ausgebildet.
Die Abrechnung des Betriebskollektivvertrages 1983 kam zum Ergebnis, dass 442 Arbeitsplätze zur Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen umgestaltet wurden. 5 Mio. Mark waren aus den Kultur- und Sozialfonds in die Betreuung der Werktätigen geflossen.
Die Betriebsküche versorgte 4982 Essenteilnehmer (davon 1686 aus Fremdbetrieben). In sechs Kindergärten und sechs Kinderkrippen wurden 972 Kinder der Betriebsangehörigen betreut.
89 Werktätige erhielten eine neue Wohnung. Den Werktätigen des Betriebes standen 1302 Ferienplätze zur Verfügung und 400 Kinder erholten sich in Betriebsferienlagern.
Die Übersicht des TKC Volkswirtschaftsplanes von 1977 bis 1983 wiesen folgende Zahlen auf:

Dokument: Dieter Puder

Im Januar 1984 begann die Produktion der Neuentwicklung „Großrundgestrick mit Cord-Charakter“. Für dieses Gestrick aus texturierter Polyesterseide wurde in der DDR ein Wirtschaftspatent erteilt. Auf der Leipziger Frühjahrsmesse erhielt der Stammbetrieb für die Neuentwicklung „Jersey Tuch“ ihre 5. Goldmedaille. Dieses Produkt war wieder in der Forschungsabteilung entwickelt worden. Die Erzeugnisse kamen noch in der ersten Hälfte des Jahres in den Handel.

Foto: Erich Schutt
Mitglieder der Forschungsgruppe Heidemarie Gut, Konrad Werner, Rolf-Dieter Köppche und Adolf Klauck im Gespräch mit Direktor Dieter Puder.
Die Forschungsabteilung befand sich an der Käthe-Kollwitz-Brücke.
Foto: Erich Schutt
Am 16. Mai weilte eine Delegation der KPdSU zu einem Arbeitsbesuch im Stammbetrieb. Es galt die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der DDR und der Sowjetunion zu vertiefen.
Bei dem Treffen gab es eine Zusammenkunft der Belegschaft mit Michail Solomenzev, Erich Mückenberger und Werner Walde.

Ende Juni wurden 9 weitere Texturier-Maschinen vom Typ TK 610 der Produktion übergeben. Bereits im April waren die ersten sechs Maschinen in die Produktion übernommen worden.

Foto: Erich Schutt
Im Oktober besuchte eine mongolische Gewerkschaftsdelegation zum Erfahrungsaustausch den Stammbetrieb.

Im Verlauf des Januars 1985 kam es infolge schwieriger Witterungsbedingen abermals zu Energie- und Dampfabschaltungen. Planrückstände waren die Folge, die jedoch bis zum Ende des Monats wieder aufgeholt werden konnten. Ende Januar wurde Dr. Peter Henschke als vorläufig amtierender Generaldirektor des TKC eingesetzt. Nachträglich ist er am 1. September offiziell zu diesem Amt berufen worden.
Die Mitarbeiter der Abteilung Arbeiterversorgung richteten für die 2. und 3. Schicht ein Schichtbüfetts ein. Hier gab es kostenlos Obst, Milchprodukte und Rohkostsalate.
Die Nachfrage und der Absatz der Produkte gingen in den 80er Jahren ständig zurück. Trug bei Veranstaltungen jeder zweite DDR Bürger noch „Präsent 20“ Bekleidungen, so war die Nachfrage nach Baumwollgewebe weltweit gestiegen. Das TKC musste sich umstellen. Bereits im Dezember 1983 wurde auf Beschluss des Ministerrates die Einfuhr von Baumwollgarnen aus dem westlichen Ausland gestoppt. Mit der Einfuhr sowjetischer Baumwolle in die Baumwollspinnerei in Leinefelde wurde beschlossen, dass die Texturseidenproduktion von dort nach Cottbus verlegt werden sollte. Das bedeutete für die Cottbuser, die Großrundgestricke schrittweise einzustellen und die Produktion der Texturier-, Färbe-, Ringzwirn- und Cornereikapazitäten zu erhöhen.
Nach und nach wurden die Strickmaschinen in das Kombinat „Wolle und Seide“ nach Glauchau umgesetzt. Die letzte GRS Maschine verließt 1985 den Standort Cottbus, von einst 216 Maschinen. Somit war die Herstellung von Flächentuchen eingestellt worden. Aus dem Werk „Fläche“ wurde das Werk „Texturseide“. Es wurde nur noch Polyesterseide veredelt. Die veredelte Seide wurde an etwa 50 Großabnehmer in der DDR und verschiedenen Staaten geliefert. Die benötigten Gestricke für das Werk „Konfektion“ erhielt das TKC seitdem aus dem Glauchauer Werk. Nicht alle verantwortlichen Leiter fanden diesen Beschluss des Ministerrates als gut durchdacht.
Im September und Oktober fand zum ersten Mal im Rahmen der Betriebsfestspiele das „Fest der Textilarbeiter“ statt. In „Ökuleis“ (ökonomisch- kultureller Leistungsvergleich) wetteiferten Arbeitskollektive um den Titel „Kollektiv der sozialistischen Arbeit“.

 

Die Zeit von 1986 bis 1989

Ab 1987 wurden wegen Arbeitskräftemangel vietnamesische Mitarbeiterinnen angeworben. Sie arbeiteten als Näherinnen im Dreischichtsystem in einem separaten Saal.

Foto: Rainer Weißflog

Es waren über 200 Mitarbeiter, die an den Nähbändern ihre Arbeit leisteten. Bis zur Wendezeit beschäftigte das TKC auch in anderen Betriebsteilen 513 Vietnamesen.

Ende der 80er Jahre wurde die Rechenanlage EC 1040 durch eine AS 400 von IBM mit dezentralen Terminals abgelöst.

Ab April 1988 wurde aus dem VEB Tuchfabrik Cottbus (Tufa), ehemals Werk 2 des TKC in der Parzellenstraße, wieder ein eigenständiger Betrieb. Man versuchte eine Spinnerei und Webereivorbereitung aufzubauen.

Im Jahr 1989 feierten rund 16000 Mitarbeiter des Stammbetriebes und den 21 dazugehörigen Kombinatsbetrieben des TKC das 20 jährige Bestehen des Kombinats.
Es gab bereits kritische Stimmen zur modischen Produktion der Bekleidungen. Der damalige Generaldirektor, Peter Henschke, bemängelte im November 1989 in einem Interview mit der LR, dass die hergestellten Modelle nicht ansprechend sind und der Handel nicht schnell genug darauf reagiere.

4. Die Wendezeit bis 2004

Im Sommer 1990 zählte das TKC einschließlich der Zweigbetriebe noch 4000 Mitarbeiter. Drei Jahre später zählte man in den vier verbliebenen Betrieben nur noch 700 Mitarbeiter. 80 Prozent der Streichgarngewebe, sechs Prozent der Kammgarngewebe, sieben Prozent der Mädchenbekleidung, ein Viertel der Knabenbekleidung, 14 Prozent der Damenoberbekleidung, 75 Prozent von Dienstbekleidungen und fast 80 Prozent der Hüte und Mützen kamen in der DDR bis dahin aus den TKC Betrieben. Weiterhin war das TKC hauptverantwortlicher Betrieb für die Produktion von Windelhosen, Sportfallschirmen und Rettungsanzügen für die Hochseeschifffahrt.
Unter den marktwirtschaftlichen Bedingungen nach der politischen Wende merkte man, dass die Produktion des Betriebes nicht mehr so weitergeführt werden konnte.
Mit dem Rückgang der außenwirtschaftlichen Beziehungen verschlechterte sich die Lage für das TKC. Es gab kaum noch Abnehmer für die Bekleidungen. Weiterhin fehlten Arbeitskräfte, Material und Ersatzteile für den veralteten Maschinenpark. Zunächst erfolgten Werksausgliederungen und der Mitarbeiterabbau wurde vorangetrieben. Es dauerte nicht lange, bis der Betrieb geschlossen werden musste.
Neue Firmen wollten nun die vorhandenen Arbeitskräfte nutzen und weiterproduzieren. 1990 versuchte ein Teil der Belegschaft in den Räumen des TKC unter den Namen „Textil und Konfektionsbetrieb GmbH“ mit der Marke „Lady Chic“ einen Neuanfang. Am 13. Oktober 1993 scheiterte leider dieser Versuch und die Firma ging in die Liquidation. Im selben Jahr versuchte die Rhone-Paulenc Rhotex GmbH mit Hilfe von Fördermitteln der EG und dem Land Brandenburg eine neue Anlage zur Texturierung von Polyamid Garnen im TKC aufzubauen. Anfangs herrschten hervorragende Arbeits- und Lohnbedingungen. Leider verlagerte sich die Produktion aus Kostengründen nach Polen. Am 31. Dezember 1999 wurde die Produktion in Cottbus eingestellt.
Auch die Berliner Michael Bob GmbH unter dem Firmennamen „Embo“ versuchte 1993 im TKC mit der Herstellung und Veredelung von Stoffen für Damen- und Herrenoberbekleidungen den Einstieg in Cottbus. Zu Spitzenzeiten waren bis zu 400 Mitarbeiter angestellt. Im Januar 2008 ging der Cottbuser Betrieb in die Insolvenz.

1990 wurde für die Produktion für die Firma Steilmann zuerst eine Produktionseinheit mit 130 Mitarbeitern, die vorwiegend Röcke fertigten, eingerichtet. Später kam eine weitere Einheit mit 100 Mitarbeitern hinzu. Sie fertigten vorwiegend Blusen. Herr Steilmann wusste die Zuverlässigkeit und Qualität der Näherinnen zu schätzen. Bis zum Bau eines eigenen Betriebes verrichteten die Näherinnen ihre Arbeit in Halle 8 des alten Werkes.
1992 übernahm der Modekonzern Steilmann aus Bochum die insgesamt 230 Näherinnen aus den zwei Produktionseinheiten. Es wurde die Steilmann Cottbus GmbH gegründet. 1995 investierten eine Investitionsbank 1 Mio. DM und Klaus Steilmann über drei Millionen DM in einen eigenen 3200 m2 großen Betrieb auf dem Gelände des TKC. Alle benötigten Maschinen und Anlagen wurden aus dem alten Betriebsteil des TKC ins neue Werk umgesetzt.

Fotos: Sylvia Töpper
 

Foto: Rainer Weißflog

Auf dem Foto der Übergabe des Betriebes sind Frau Sylvia Töpper, Herr Klaus Steilmann und der damalige brandenburgische Ministerpräsident Manfred Stolpe zu erkennen.
Die Geschäftsführerin des neuen Betriebes, Frau Sylvia Töpper, konnte sich an ein immer ehrliches und loyales Verhalten miteinander erinnern.

 

Ab 1997 ließ der Konzern einen großen Teil des Damenoberbekleidungssortiments in Cottbus von den ehemaligen TKC Mitarbeiterinnen produzieren. Seit 2001 war Cottbus der letzte Betrieb, der in Deutschland für Steilmann produzierte. Täglich gingen rund 2500 Bekleidungsstücke vom Band. 1999 gab Klaus Steilmann die Geschäftsführung ab. Die Produktionen verlagerten sich nach und nach aus Kostengründen nach Osteuropa und Fernost. Im Dezember 2003 erfuhren die Steilmann-Mitarbeiterinnen von der geplanten Schließung des Betriebes. Am 24. März 2004 wurden die verbliebenen 163 Mitarbeiterinnen in die Arbeitslosigkeit geschickt.
Nach dem Umbau der alten Werkhallen konnte am 29. Juni 1993 das Einkaufszentrum TKC am Nordring eröffnet werden. Alle ehemaligen Hallen des TKC stehen heute unter Denkmalschutz.

Foto: G. Heimhilger

5. Das „neue“ TKC („Top Kreativ Cottbus“)

Im Jahr 2005 gründete sich die Firma „Archimedes“. Auch sie überlebte nur wenige Monate.

Foto: SUPERillu Nr. 47
Im Mai 2005 erfolgte die Gründung des Einzelunternehmens „Top Kreativ Cottbus“ (TKC) durch Sylvia Töpper. Die Mitarbeiterinnen arbeiteten vorerst weiterhin im Steilmann Werk. Genau drei Jahre später zog die Firma mit 15 Mitarbeiterinnen in die Parzellenstraße um. Das Unternehmen besteht auch nach ihrer Pensionierung heute weiter.

Bei einer abschließenden Begehung des Werksgeländes versuchte der Zeitzeuge Frank Klaus sich an die einstigen Gebäude des Werkes zu erinnern. Die Hallen und Baracken sind mitunter nach fast 50 Jahren in Mitleidenschaft gezogen. Sie stehen aber heute noch und erzählen die Geschichte des TKC.

6. Lageplan Textilkombinat Cottbus – heute Einkaufscenter, Gewerbegebiet, Ärztehaus

Lageplan und Legende: H.-J. Conrad

Werkseingang Werkseingang Werkseingang LKW-Einfahrt
TKO (Technische Kontrollorganisation) Garnlager Texturierung Strickerei Saal 1
Strickerei Saal 2 Veredelung Färberei/Dedotex Küche 2
Konfektion, Bügelei, Endfertigung, Lager, Umkleideräume Umkleideräume Frauen, Männer Küche 1 Sozialgebäude (Ärztehaus, Büros)
Rechenzentrum Bunkeranlage Stromversorgung Komplex Energieversorgung, Wasser/Dampf
Baracke Zivilverteidigung Laderampen Feuerwehr, Fuhrpark, Kfz-Werkstatt Schlosserei, Tischlerei
Lager Dedotex Bunkeranlage Bunkeranlagenkomplex, Plastik/Relief Firma Steilmann
Lagerhallen Abwasserpumpenanlage    

7. Aktuelle Fotos zum Lageplan

Foto: G. Heimhilger

Die Holzbaracke in der Richard Wagner Straße wurde durch ein massives Gebäude ersetzt. Es wird nicht mehr genutzt.

 

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Foto: G. Heimhilger

Der erste Werkseingang ist heute auch der Eingang zum Einkaufszentrum.

 

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Foto: G. Heimhilger

An diesem Durchgang des Sozialgebäudes befand sich der dritte Werkseingang.

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Foto: G. Heimhilger

Die LKW-Einfahrt wird heute nicht mehr genutzt.

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In diesem Teil der ersten Halle befand sich die Technische Kontrollorganisation (TKO).

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In diesem Bereich war das Garnlager untergebracht. Die Texturierung befand sich im vorderen Bereich der Halle.

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Die Texturierung befand sich im vorderen Bereich der Halle.

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Foto: Erich Schutt

In den beiden Sälen war die Strickerei untergebracht.
Anfangs arbeitete im hinteren Saal auch die Konfektion.

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In dem Bereich fand die Veredelung statt.

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Fotos: G. Heimhilger

 

Das Foto zeigt eine Außenansicht der Färbereihalle. Später war dort die Abteilung Dedotex untergebracht.

 

 

 

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Foto: G. Heimhilger

Die Küche 2 wird heute nicht mehr als Küche genutzt.

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Foto: G. Heimhilger

In Halle 8 war die Konfektion, Endfertigung, Bügelei und das Lager untergebracht. Ebenso gab es Umkleideräume für die Beschäftigten.

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Foto: G. Heimhilger

In diesem Gebäude befanden sich die Umkleideräume.
Im vorderen Teil des Hauses waren die Räume für die Frauen und im hinteren Teil waren die Männer untergebracht.
Heute befindet sich in dem sanierten Gebäude die Computerfirma K & S.

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Die Küche 1 wird heute von einer Cateringfirma genutzt.

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Foto: G. Heimhilger

Das Sozialgebäude mit Büros auf der rechten Seite und dem Ärztehaus auf der linken Seite.
Dank Einsatz des Geschäftsführers des Ärztehauses, Herrn Karlheinz Schaefer, sind diese Mosaiken in den Gängen der Arztpraxen nach der Wende erhalten geblieben.

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Fotos: G. Heimhilger
Foto: G. Heimhilger

Im ehemaligen Rechenzentrum befindet sich heute ein Küchenstudio.

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Foto: G. Heimhilger

Diese Bunkeranlage befindet sich direkt hinter dem Sozialgebäude. In dieser Anlage sollten bis zu 200 Personen Schutz finden.
Nach der Wende wurde diese Einrichtung als Lager genutzt.

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Foto: G. Heimhilger

Die Mitarbeiter der Trafostation waren für die Stromversorgung im gesamten Betrieb verantwortlich.

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Fotos: G. Heimhilger

 

Der Komplex Energieversorgung kümmerte sich für warmes Wasser und Dampf für die Heizungen.

 

 

 

 

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Foto: G. Heimhilger

 

Der Komplex Energieversorgung kümmerte sich für warmes Wasser und Dampf für die Heizungen.

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Foto: G. Heimhilger

Diese Laderampen hatten Zugang zur Strickerei. Dort wurde Material angeliefert.

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Foto: G. Heimhilger

 

In dieser Halle waren die freiwillige Feuerwehr und der Fuhrpark mit Kfz-Werkstatt untergebracht.

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Foto: G. Heimhilger

Links neben der Fuhrparkhalle schloss sich die Tischlerei und Schlosserei an.

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Fotos: G. Heimhilger

Auf dem Foto ist die Lagerhalle von „Dedotex“.

 

 

 

 

Auf dem Foto ist der Eingang der Halle zu erkennen. Heute befindet sich dort eine Altstoffannahmestelle.

 

 

 

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Foto: G. Heimhilger

Eine weitere Bunkeranlage befand sich hinter der Konfektionsabteilung. Sie ist heute dem Zerfall preisgegeben.

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Foto: G. Heimhilger

Im Bereich des Reliefs, befand sich ein Versammlungsplatz. Dahinter befand sich ein Bunkeranlagenkomplex mit drei voneinander getrennten Luftschutzräumen.

 

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Foto: Sylvia Töpper

Betriebsstätte der Firma Steilmann.

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Foto: G. Heimhilger

Tonnenhallen, welche damals unter Anderem als Lager genutzt wurden.

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Foto: O. Arnold

Unter den Hügeln verbergen sich die Abwasserpumpen.

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8. Abschließende Bemerkungen und Danksagung

Abschließend kann man sagen, dass das Textilkombinat Cottbus für eine lange Zeit die Cottbuser Geschichte geprägt hat. In diesem Werk gaben sich prominente Politiker der DDR und der ganzen Welt die Klinke in die Hand. Es war ein Vorzeigeobjekt. Wenn man in den damaligen Zeitungen las, dass man stolz darauf war im TKC zu arbeiten, so entsprach das den ehrlichen Aussagen meiner befragten Zeitzeugen. Man war wirklich stolz im TKC zu arbeiten. Nur der ständige Ansporn durch die Parteiführung zu höheren Leistungen zur Planerfüllung und Übererfüllung wurde mitunter als überflüssig emfunden.

Bei meiner Recherche ist es mir nicht gelungen Mitarbeiter aus allen Abteilungen ausfindig zu machen und zu befragen. Der Teil der Zeitzeugen, die ich befragen konnte, gaben mir bereitwillig Einblick in ihren Arbeitsalltag im Textilkombinat.  Zu ihnen gehörten Frau Engert, Frau Töpper, Herr Brosdetzko, Herr Klaus, Herr Schaefer, Herr Arnold und Herr Puder, bei denen ich mich dafür bedanke. Ein Dank gilt auch den Urhebern der Fotos, die ich veröffentlichen durfte.
Des Weiteren bedanke ich mich bei Lichtblick Cottbus e.V., bei dem ich die Recherche durchführen konnte und bei Herrn Hans-Jürgen Conrad für die technische Unterstützung bei der Bildbearbeitung.

Günter Heimhilger, Redaktionschluss 9/2019