Burkbraun Fabrik und Nachfolger

Inhaltsverzeichnis

  1. Burkbraun-Fabrik

  2. REWI-Werke

  3. Der Cottbuser Keks

  4. Betriebsgelände

Burkbraun-Fabrik

Abblidung vom Fabrikgelände auf einer Rechnung von 1934

Am 1. Januar 1919 gründeten der Cottbuser Kaufmann Heinrich Burk, der in der Mühlenstraße 32 in Cottbus wohnte, und der Leipziger Werkmeister Paul Braun, der nach Cottbus zugezogen war, die Firma Burk & Braun. Am 4. März 1919 erhielten sie die Handelserlaubnis vom Amtsgericht Cottbus für den Aufbau der Schokoladenfabrik. In der Tuchfabrik von Wilhelm Müller am Ostrower Damm 19 wurden die Geschäftsräume geschlossen, die bald darauf in der jetzigen Karl-Liebknecht-Straße 102 (früher Kaiser-Friedrich-Wilhelm-Straße 96-102) ihren Platz fanden, so auch die Schokoladenfabrik. Die Namen von Burk & Braun wurden zusammengeschlossen und die Firma nannte sich sich von dem Zeitpunkt an Burkbraun. Man ging zu einem maschinellen Schokoladenerzeugnis über. So wurde in dieser Fabrik Schokolade und Trinkkakao zusammen aus Kakaobohnen hergestellt und später folgte der Baumkuchen, der seit 1819 bekannt war und einst aus Österreich stammte. Im Keller lagerten die Kakaobohnen, Kakaobutter und andere Zutaten. Das erste Geschäft eröffnete man in der Spremberger Straße. Der Teilhaber Braun, seine Kollegen Seifert und Groß, die auch Werkmeister waren, gewährleisteten die Produktion, während Heinrich Burk sich auf Reisen begab und nach Abnehmern für die Cottbuser Schokolade suchte.

Die Firma beschäftigte ca. 500 Mitarbeiter und fertigte im Jahr 1930 die erste Schmelzschokolade und Weinbrandkirschen in 250 Gramm Kartons, außerdem verkauften sie Schokoladenpasteten mit Messerchen, die im cremefarbenen Glanzpapier verpackt waren. In den ersten 10 Jahren nach der Eröffnung stieg die Anzahl der Mitarbeiter auf 1500. Zusätzlich übernahmen sie auch die Abpackung von Schwarztee und gerösteten Kaffee an. Burkbraun bekamen daher einen guten Ruf. Die Fabrikantenfamilie verdanke der Stadt auch die Osterwiese. Die erste Osterwiese gab es 1928 als Werbung für die Firma. Ein Hase und Ostereier mit verzierten Lichtleisten begeisterten vor allem die Kinder auf dem Kaiser-Wilhelm-Platz (heutigem Brandenburger Platz).

Radium wurde im Jahre 1898 von Pierre Curie und Marie Curie entdeckt. Kurz danach kamen viele Produkte, die Radium enthalten, auf dem Markt. Um auch hier Kunden zu gewinnen, wurde am 26. März 1930 die erste „Radium-Schokolade nach Dr. Senftner, Deutsches Reichspatent“ hergestellt und wurde in Deutschland und im Ausland ein Verkaufsschlager.

Radium-Schokolade

Man versuchte mithilfe eines Betriebsgartens, der an der Fabrik grenzte, mit einer Schattenmorellen-Plantage unter Leitung von Obergärtner Werner, Pralinen herzustellen. Auch andere Pralinensorten wie Kirsche und Ananas mit Nougat und Haselnuss, die von der Türkischen Baumhaselnuss geerntet wurde, wurden produziert. Diese Haselnuss fand man in der Bismarckstraße und verwendete sie dazu. Verkauft wurde außerdem die „Burbar“, die aus einer Mischung mit Mandelsplitter und auch Weinbrandbohnen bestand, die sich in einem Karton befanden.

Im Zweiten Weltkrieg hatte man die beiden Händler zwangsverpflichtet und es wurde in der Fabrik Fliegerschokolade (Scho-Ka-Kola) hergestellt und verpackt. Es wurde auch Frauen aus dem Zuchthaus Cottbus zur Zwangsarbeit in der Fabrik Burkbraun verurteilt. Ein Abteil für Gewehrmunition wurde 1943 eingerichtet. Die Schokoladenfabrik wurde während des Weltkrieges auch teilweise zerstört.

Mit der Demontage der Maschinen im Herbst 1945 und 1947 kamen die Enteignung der Firma und damit das Ende der erfolgsreichen Geschichte von Burkbraun.

Das Burkbraun-Häuschen am Bahnhofsberg

Burkbraun-Häuschen

Seit dem Jahr 1919  bis zum Weltkrieg war das ein spiegelnder Laden mit glitzernden Vitrinen. Konfekt und Schokolade der Firma Burk & Braun wurden über Ladentheken aus edlen Hölzern verkauft. Reisende nahmen sich hier ein süßes Mitbringsel oder Reiseandenken von Cottbus mit. Eigentlich hätte es einfach ein einprägendes Zeichen für Cottbus sein können. Das Foto zeigt schon einen etwas  verkommenen Zustand. Gänzlich verschwand das Häuschen ersatzlos mit der einer Renovierung der Bahnhofsbrücke 1986.