Raumflugplanetarium Cottbus

Die Geschichte des Raumflugplanetarium „Juri Gagarin“

Mit dem Schuljahr 1959 wurde in der damaligen DDR der Astronomie- Unterricht in den 10. Klassen ein Pflichtfach. Den Schülern sollte die notwendige Allgemeinbildung über die Sterne und die Himmelskörper vermittelt werden. Grund dafür war vielleicht auch die beginnende Entwicklung in der Raumfahrt, die zwei Jahre zuvor mit dem Flug des Sputniks begann.

In den Anfangszeiten des Astronomie- Unterrichts war der Lehrplan aber noch recht karg. Es wurden Grundkennnisse vermittelt und die Schüler waren dazu angehalten, den Sternenhimmel selbst in der Nacht zu beobachten. Das änderte sich aber Ende der sechziger Jahre. Viele Schulen erhielten eine Schulsternwarte. Bis zum Ende der DDR waren es 150 Beobachtungsstätten. Die Schüler konnten nun mit Fernrohren den Himmel beobachten. Jede Schule, in der das Fach Astronomie unterrichtet wurde, hatte aber zumindest  ein Schulfernrohr.

In Cottbus wurde nur eine Schulsternwarte gebaut. Sie wird heute nicht mehr für den Unterricht  genutzt. Nur der Hausmeister der Schule hat noch die Schlüsselgewalt über die Warte.

Schüler bei der Beobachtung in der damals zweitgrößten Schulsternwarte der DDR in Eilenburg 1968.
Foto: Wikipedia

Schon 1966 bei den Vorbereitungen für den Kauf der Sternwartenausrüstung, die für die 10. POS (Polytechnische Oberschule) in der Gartenstraße in der Spremberger Vorstadt bestimmt war, entstanden erste Pläne für den Bau eines Planetariums.

Ein Planetarium hat den Vorteil, dass man die Sterne mittels eines Bildwerfers an eine Kuppel projiziert und den zeitlichen Verlauf im Zeitraffer darstellen kann. Das sollte den Schülern im Astronomie- Unterricht vermittelt werden und war deshalb auch der Hauptgrund für den Bau des Planetariums.

Alle Schulen von Cottbus und Umgebung hätten dann die Möglichkeit den Unterricht durch die realistischische Nachstellung und dem Verlauf der Sterne und Planeten im Planetarium interressanter zu gestalten.

 

Foto: Planetarium

Der damalige Schuldirektor Gerhard Zilz und der Schulrat Dieter Barsig hatten zuvor durchgesetzt, dass die 1969 eröffnete Schule auf dem Dach eine Sternwarte erhält.

Eine Legende besagt, dass 1967 die im Bau befindliche Schule durch den Bürgermeister der Stadt, Heinz Kluge mit weiteren Vertretern der regionalen Verwaltung besucht wurde. Daraufhin lud der Mathematik- und Naturkundelehrer Alfred Müßiggang den Vorsitzenden der Stadtplankommission, Heinz Petzold und drei weitere Stadtverordnete zu einem Beobachtungsabend in die Schulsternwarte ein. Ihm gelang es, die Vertreter der Stadt derart für die Sterne zu begeistern, dass die Idee für ein Planetarium geboren wurde. Es müssen viele anregende Gespräche geführt worden sein. Ob „Zauberwasser“ dabei eine Rolle spielte, ist leider nicht überliefert.

Leider ist diese Geschichte erfunden, denn Absprachen und Verträge zwischen Cottbus und Carl  Zeiss Jena besagen etwas Anderes. Wie mir  Herr Müßiggang versicherte, kann er sich an solch ein Treffen auch nicht erinnern.

Die ehemalige 10. POS/EOS Cottbus, Gartenstraße mit Dach-Schulsternwarte, in der heutigen Zeit.
Fotos: G. Heimhilger
Perspektive 1 der Schulsternwarte auf der ehemaligen 10. POS/EOS in der heutigen Zeit.
Perspektive 2 der Schulsternwarte auf der ehemaligen 10. POS/EOS in der heutigen Zeit. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto: Wikipedia

Zur Frühjahrsmesse im März 1968 stellte der VEB Carl Zeiss Jena das neue „Spacemaster – Raumflugplanetarium“ vor.

Der Projektor war durch eine vierte Achse in der Bewegungskombination deutlich verbessert worden. Der Weltraum konnte jetzt von der Erde aus nicht nur beobachtet werden, man konnte auch ins Weltall hineinfliegen.

Der Spacemaster – Projektor wurde auf der Messe in Leipzig mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Das Serienmodell wurde weltweit über 100 mal verkauft.

 

Foto: Planetarium

Der damalige Vorsitzende der Stadtplanungskommission Cottbus, Heinz Petzold, nahm an der Vorstellung des Gerätes teil. Er kam mit den Vertretern vom VEB Carl Zeiss Jena ins Gespräch. Die waren von der Idee, solch ein Planetarium in der DDR zu errichten, sehr angetan. Es könnte als Prestigeobjekt dienen.

Das Ergebnis war ein unverbindliches Angebot über die Lieferung eines Raumflugplanetariums mit Automatik und Zusatzgeräten  im Wert von 575.000 Mark der DDR.

Als Liefertermin wurde bei dem Angebot des Herstellers das erste Halbjahr 1970  vorgemerkt.

 

Dokument/Kopie: Planetarium

Am 13. Mai 1968 stellte der Stadtschulrat, Herr Bielagk, einen Antrag bei der Stadtplankommission zur Bewilligung von Geldern für den Bau der Schulsternwarte und des Planetariums.

Dokumente/Kopien: Planetarium

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto: Planetarium

Im Februar 1969 wurde dann der Vertrag zwischen dem VEB Carl Zeiss Jena und dem 1. Stellvertreter des Schulrates, Werner Bielagk zur Entwicklung eines Planetariums unterzeichnet.

Die Techniker vom VEB Carl Zeiss sollten in Anlehnung einer 23 Meter Großraumkuppel eine 12,5 Meter Kuppel für das Planetarium Cottbus entwickeln.

Im August 1970 sicherte der Rat der Stadt Cottbus,  durch den Oberbürgermeister Heinz Kluge, die Abnahme des Planetariums von der Firma Carl Zeiss Jena zu.

 

Dokument/Kopie: Planetarium

Im November 1970 bekam der Cottbuser Stadtschulrat, Herr Dieter Barsig, ein Angebot als Diskussionsgrundlage von Carl Zeiss zugeschickt. Technische Veränderungen wären möglich gewesen. Auch die Kosten wurden aufgelistet.

  1. Raumflugplanetarium 565000,00 Mark der DDR
  2. Innenkuppel 12,5m 39600,00 Mark der DDR
  3. Netzwerk für Außenkuppel 15m 13100,00 Mark der DDR        

Eine Auflistung des Lieferumfangs wurde von Carl Zeiss auf zwei Seiten exakt ausgewiesen:

Dokumente/Kopien: Planetarium

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Inzwischen hatte die polnische Stadt Olsztyn ein Planetarium von Carl Zeiss gekauft. Der Export hatte in der DDR Vorrang, und so kam es, dass Carl Zeiss Jena in Lieferschwierigkeiten kam. Der Zeitplan zur Lieferung im ersten Halbjahr 1970 konnte nicht eingehalten werden.

Nach geändertem Vertragsabschluss wurde nun der Liefertermin letztendlich zum ersten Halbjahr 1973 festgelegt.

Foto: Planetarium

Die Stadt Cottbus hatte aber noch keinen Standort für das Planetarium. Bei der  Wahl des Standortes entschied man sich für  den Vorschlag des stellvertretenden Stadtarchitekten Wolfgang Brenzel, der den aufblühenden Stadtteil Sandow, in der Heinrich-Mosler Straße (heute Lindenplatz)  bevorzugte.

In diesem Stadtteil entstanden viele Neubauten und die Einwohnerzahl stieg stetig an. Kulturell mussten die Bewohner natürlich auch versorgt werden, da bot sich dieser Standort  in der Nähe der Spree an.  

Der Stadtbaubetrieb wurde 1970 mit den Rohbauarbeiten beauftragt. Die Stadtbaudirektion plante daraufhin im März 1971 das Vorhaben „Planetarium“.

 

Es wurden der Bauumfang und die Baukosten festgelegt:

Dokumente/Kopien: Planetarium