Bahnhofsbrücke

Die Brücke zum Zentrum

Bahnhofsbrücke – Richtung Bahnhofstraße und Zentrum

Wer mit dem Zug nach Cottbus reist und in die Stadtmitte möchte, überquert die etwa 140 Meter lange Bahnhofsbrücke, eine der Hauptverbindungen zum Stadtzentrum von Cottbus. Ein erstes Gebäude für die Reisenden entstand um 1870. Die Bahnanlage lag weit außerhalb der Stadt und war nur über die Taubenstraße zu erreichen.
Als die ersten Züge fuhren, erreichte man diese über eine einfache Holzkonstruktion an den Gleisen, man ließ sich mit der Pferdedroschke und dem Gepäck direkt bis zu den Gleisen fahren. 1873 wurde nördlich vom Staatsbahnhof der private Großenhainer Bahnhof eröffnet.
Der Ausbau des „Empfangsgebäudes“ in der Mitte des Inselbahnhofs wurde unumgänglich. Dieses Gebäude erreichte man nun aus der Stadt kommend über eine Rampe, aufgeschüttet aus Sand. Die hölzernen Brücken über die Gleise, deren Widerlager aus Ziegelmauerwerk bestanden, ermöglichten den direkten Zugang zum Inselbahnhof.

Wachstum im 20.Jahrhundert

Bahnhofsbrücke – Richtung Thiemstraße

Die Erweiterung der Gleisanlagen und des Güterverkehrs machten 1900 den Neubau der Brücke, eine erste Eisenkonstruktion, dringend notwendig. Die Brücke wurde um ca. 60 cm erhöht, eine eingebaute Kanalisation und Pflasterarbeiten auf dem Bahnhofsvorplatz bis hoch zur Brücke schlossen sich an.
Bei der Bauabnahme 1902 gab es eine große Aufregung, waren doch die Straßenbahnschienen vergessen worden. Das wurde nachgeholt und im Sommer 1903 ging die einspurige „rote Linie“ über die Bahnhofsbrücke bis zum Bahnhof in Betrieb.
Von der Rampe aus konnte man das rege Leben auf dem Bahnhofsgelände sehr gut überblicken. 1903 wurde das heute stillgelegte erste elektropneumatische Kraftstellwerk B23 auf der Ostseite der Brücke eingeweiht.

Veränderungen

Unterführung für Fußgänger – Richtung Blechenstraße

Im Ersten Weltkrieg wurde es bis auf die Truppen- und Verwundetentransporte ruhig um das Bahnhofgelände. In dieser Zeit und nachfolgend bis zum Zweiten Weltkrieg wurden immer wieder bauliche Veränderungen an der Brücke vorgenommen. Für große Reparaturen fehlten der Stadt die finanziellen Mittel.
Im August 1943 verursachte ein schwerer Rangierunfall große Schäden an der Brücke. Eine Brückenstütze wurde weggedrückt, 3 Brückenfelder stürzten auf die Gleise und machten zunächst einen provisorischen Übergang aus Holzbohlen auf dem südlichen Teil der Brücke notwendig. Erst im November 1943 waren neue Stahlträger vorhanden und die Arbeiten konnten beendet werden.
Beim Bombenangriff am 15.02.1945 wurden große Teile der nördlichen Bahnanlagen zerstört, auch die Brücke blieb nicht verschont, völlig zerstört wurde das Empfangsgebäude. Um 1960 entstand ein Provisorium, der sogenannte Barackenbahnhof, der erst 1978 durch einen Neubau ersetzt wurde.

Die Brücke in ihrer heutigen Form

Teile des originalen Geländers der ersten Eisenkonstruktion aus dem Jahr 1900

Die Bahnhofsbrücke wurde 1986 erneut „angehoben“, die Elektrifizierung der Bahn machte den Umbau der alten Rampenkonstruktion nötig. Sie war zuvor schon ständig Dauerquelle des Ärgers. Die neuen Tatra-Straßenbahnen waren zu schwer für die Brücke, das Gleisnetz reparaturbedürftig und der Straßenbelag musste ständig erneuert werden. Dabei ist ein Stück Geschichte für die Nachwelt erhalten geblieben. In beiden Fahrtrichtungen mitten auf der Brücke kann der interessierte Cottbuser und Besucher deutlich zwei der Originalteile des Geländers der ersten Eisenkonstruktion aus dem Jahr 1900 sehen.

Fotos: Lichtblick Cottbus e.V. – Juli 2018