Stellwerk B23

Das einst modernste Stellwerk Deutschlands

Das Stellwerk „B23“, auch „Ostturm“ genannt, befindet sich auf der rechten Seite der Bahnhofsbrücke stadteinwärts, östlich des Cottbuser Bahnhofs. Im Jahr 1902 wurde das Cottbuser Stellwerk von der Firma Pabel, einer Cottbuser Baufirma, als dreigeschossiger roter Klinkerbau mit Walmdach erbaut.

Am 5.März 1903 konnte es als erstes elektropneumatisches Stellwerk Deutschlands eingeweiht und in Betrieb genommen werden.
Die Signalbaufirma Strahmer aus Georgsmarienhütte (bei Osnabrück) stattete es mit einer Druckluftanlage aus, wobei Fachleute eine für Deutschland modifizierte Bauart von der englischen „Westinghouse“ entwickelten und verwendeten. Bedient wurde dieses Stellwerk durch ein elektromechanisches Schalterwerk, das im Gleisbereich an den Weichen und Signalen mit elektrischem Strom die Ventile steuerte. Diese gaben dadurch Druckluft frei, die als Stellkraft für Signale und Weichen wirkte. Im Erdgeschoss des Stellwerkes B23 befanden sich die dazu notwendigen Druckluftbehälter.

Die regelmäßig angeordneten großen Fenster ermöglichten einen guten Überblick über das gesamte Bahngelände und der Fahrdienstleiter konnte alle Fahrten im Bahnbereich vom Pult aus dirigieren.

Im Obergeschoss befanden sich Räume des Fahrdienstes. Zum Mittelteil des Stellwerkes führte eine Wendeltreppe aus Eisen, wo sich Funktions- und Mitarbeiterräume befanden.

Als Zugang für die Signalbrücken, befanden sich an beiden Seiten im Obergeschoss Türausgänge und das Stellwerkpersonal konnte heraustreten. Die Signalbrücken waren auf Stahlstützen aufgesetzt.

Auf der Südseite waren zwei und auf der Nordseite drei mit der Hand zu bedienende Flügelsignale angebracht.

Heute sind diese Ausgänge zugemauert und die Signalbrücken abgebaut. Das Uhren-Türmchen wurde erst in den 20er Jahren aufgesetzt. 1947 bekam das Stellwerk die Bezeichnung „B23“.

Im Jahr 1956 erfolgte eine Komplettsanierung, die gesamte Innen- und Außentechnik wurde auf eine moderne elektrische Anlage umgerüstet, die Weichen wurden elektrifiziert. Die gesamte Druckluftanlage wurde außer Betrieb genommen, das alte Hebelwerk wurde durch eines der Bauart VES 1912 ersetzt, das nun auch die Außenanlagen vollständig elektrisch steuerte.
Auch die Flügelsignale wurden von modernen Lichtsignalen abgelöst. Die Stahlstützen waren überflüssig und wurden zurückgebaut.

Am 19.11.2010 um 15.15 Uhr wurde das Stellwerk „B23“ abgeschaltet und stillgelegt.

Die Aufgaben des Stellwerk B23, Weichenstellung und Ampelschaltung, werden nun durch ein einziges elektronisches Stellwerk von Berlin Pankow aus gesteuert und kontrolliert.

Die neue Technik hat 13 Stellwerke der Region überflüssig gemacht, auch das älteste davon, das heute denkmalgeschützte Stellwerk B23. Es bleibt weiterhin ein bahneigenes Gebäude.

Fotos: Lichtblick Cottbus e.V. – Oktober 2012/Juli 2018